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HANDELSBLATT, Freitag, 25. April 2008, 11:37 Uhr
Ausfuhr bleibt „Zugpferd“ der deutschen Wirtschaft

Abhängigkeit vom Auslandsgeschäft wächst

Von Ernst Leiste, bfai

Selbst wenn die deutsche Wirtschaft Gefahr läuft, in absehbarer Zukunft den bereits lieb gewonnen Titel des Exportweltmeisters an China zu verlieren, sollte sie nicht in tiefe Depression verfallen. Schließlich wird jeder zweite Euro wird inzwischen durch Auslandsgeschäfte verdient. Allerdings steigt damit auch die Abhängigkeit.



Jeder zweite Euro wird inzwischen durch Auslandsgeschäfte verdient. Bild: HB
Jeder zweite Euro wird inzwischen durch Auslandsgeschäfte verdient. Bild: HB

KÖLN. Die deutsche Wirtschaft gerät immer mehr in die Abhängigkeit von Auslandsgeschäften. So steuerten die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen 2007 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (DeStatis) 47 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, oder anders ausgedrückt wird inzwischen fast jeder zweite in Deutschland erwirtschaftete Euro durch Exportaktivitäten verdient. Interessant ist dabei vor allem die Dynamik der Entwicklung. Die Exportquote legte seit 2005 um fast sechs Prozentpunkte zu, 1991 lag der Ausfuhranteil am BIP übrigens erst bei 26 Prozent.

Dass die traditionellen Exportbranchen Kfz-Industrie, Maschinenbau und chemische Industrie, die zusammen fast die Hälfte der deutschen Ausfuhren stellen, stark auf Auslandsmärkten aktiv sind, mag nicht weiter verwundern, aber die Exportwelle hat inzwischen nahezu alle Wirtschaftsbereiche erfasst.

So hat das „Thema Außenwirtschaft“ für die deutsche Automobilindustrie, die über 70 Prozent der im Inland hergestellten Fahrzeuge exportiert und mehr als 2000 Produktionsstätten im Ausland aufweist, höchste Bedeutung. Die Exportquote der chemischen Industrie in Deutschland erreichte 2006 nach Berechnungen des Fachverbandes VCI und DeStatis bereits 76,6 Prozent nach 68,6 Prozent im Vorjahr oder erst 46,6 Prozent im Jahr 1995.

Im Maschinenbau, dem mittelständisch geprägten „Kraftpaket“ der deutschen Wirtschaft, werden etwa 70 Prozent des Geschäftes im Ausland abgewickelt. In einzelnen Sparten, so etwa bei Textilmaschinen oder Hütten- und Walzwerkseinrichtungen, erreichen die Exporte sogar mehr als 90 Prozent des Umsatzes.

Auch hier spricht die Dynamik der Entwicklung Bände. So erhöhte sich die Ausfuhrquote in der Sparte verfahrenstechnische Maschinen und Apparate binnen zehn Jahren von 51 Prozent (1997) auf 80 Prozent (2006), bei Bau- und Baustoffmaschinen stiegen die Exportquoten von 64 auf 78 Prozent, bei Bergbaumaschinen gar von 61auf 84 Prozent.

Bei den Unternehmen des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) erreichte der Anteil des Auslandsgeschäftes an den Gesamtumsätzen 2007 knapp 47 Prozent, im Jahr 2000 waren es vier Prozentpunkte weniger. In der Sparte Prozessautomation gehen „sage und schreibe“ über 95 Prozent der Erzeugung in den Export. Auch für die deutsche Elektromedizin wird das Auslandsgeschäft immer wichtiger: Lag die Exportquote der Branche im Jahr 2000 noch bei 71 Prozent des Umsatzes, erreichte sie 2007 bereits 81 Prozent .

Bis zum Jahr 2020 strebt die deutsche Erneuerbare-Energien-Branche eine durchschnittliche Exportquote von 80 Prozent an. Das wäre gegenüber 2007 eine glatte Verdoppelung. 2002 wurden in dieser zukunftsträchtigen Sparte erst 15 Prozent der Umsätze jenseits der Grenzen erzielt.

Aber auch Geschäftszweige, die lange Zeit auf den Inlandsmarkt gesetzt hatten, sind inzwischen auf den „Exportzug“ aufgesprungen. So etwa die Möbelindustrie. Lag die Exportquote der Branche noch Mitte der 90er Jahre bei rund 15 Prozent, so dürfte sie 2007 die 40-Prozent-Marke erreicht haben.

Der früher krisengeplagten deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie ist es inzwischen gelungen, ihre Exportquote von 11 Prozent (1970) auf 42 Prozent im 1. Halbjahr 2007 zu erhöhen. Auch die klein- und mittelständisch geprägte deutsche Musikinstrumentenindustrie setzt über 60 Prozent ihrer Produkte im Ausland ab.

Für eine steigende Zahl deutscher Ingenieurbüros gewinnt der Export von Planungs- und Beratungsleistungen immer mehr an Bedeutung. Seit 2002 unterstützt die Bundesarchitektenkammer mit dem Netzwerk Architekturexport NAX grenzüberschreitend tätige Architekten auf dem Weg zu neuen Märkten. Auch das Handwerk richtet seinen Blick zunehmend auf ausländische Märkte. Fast 50 000 Handwerksunternehmen (gut 5 Prozent) verkaufen Produkte oder Dienstleistungen ins Ausland, was einer Steigerung der Handwerksexporte innerhalb der letzten zehn Jahre um 70 Prozent entspricht.

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