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HANDELSBLATT, Montag, 5. Mai 2008, 14:52 Uhr
Handel und Investitionen nehmen zu

Polen kauft immer mehr deutsche Waren

Von Beatrice Repetzki, bfai

Polen erhöhte seine Einfuhren aus Deutschland 2007 laut Destatis um fast 30% auf über 36 Mrd. Euro. Die Binnennachfrage ist rege, und der starke Zloty trägt zu diesem positiven Trend bei. Am stärksten gefragt sind Elektrotechnik und Maschinen deutlich vor chemischen und Metallprodukten und auch Kfz spielen eine große Rolle.


WARSCHAU. Während deutsche Firmen weiter kräftig in Polen investieren, steigt auch die Zahl polnischer Investoren in Deutschland. Das gab die Botschaft der Republik Polen bei ihrer Jahrespressekonferenz in Berlin bekannt.

Der deutsch-polnische Handelsaustausch überstieg 2007 erstmals die 60-Milliarden-Euro-Marke, glaubt man den deutschen Statistiken. Aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden bleibt der Wert der polnischen Importe aus Deutschland laut polnischen Angaben allerdings deutlich unter dem von deutschen Statistikern errechneten. Laut Destatis (deutsche Statistik) importierte Polen aus Deutschland 2007 Waren für rund 36,1 Mrd. Euro (+28,9%), laut dem polnischen Statistischen Hauptamt GUS dagegen lediglich für 28,4 Mrd. Euro (+17,3%). Angesichts der polnischen Ausfuhren in Höhe von 24,1 (beziehungsweise 26,1) Mrd. Euro (+13,7/+9,4%) ergibt sich eine für Polen negative Handelsbilanz mit Deutschland von 12,0 Mrd. Euro (deutsche Angabe) beziehungsweise 2,3 Mrd. Euro (polnische Angabe).

Trotz dieser Diskrepanzen kann festgestellt werden, dass die Entwicklung des deutsch-polnischen Handelsaustausches eine gute Dynamik aufweist. Die Exportchancen für deutsche Unternehmen bleiben groß, zumal die Bruttoanlageinvestitionen mit zweistelligen Raten weiter wachsen sollen. Die Zunahme der Inlandsnachfrage flacht dabei 2008 etwas ab, wie das Danziger Marktwirtschaftliche Forschungsinstitut IBnGR in seiner Prognose von April erwartet. Das IBnGR rechnet für 2008 mit einem BIP-Wachstum von 5,4%, das Finanzministerium von 5,5% und der IWF von 4,9% (2007: +6,6%).

Neben Maschinen mit einem Anteil von 14,0% kommt chemischen Erzeugnissen mit 12,7% und Kfz-und Kfz-Teilen mit 12,1% laut Destatis eine zentrale Bedeutung bei den deutschen Ausfuhren nach Polen zu. Danach folgen Elektronik mit 7,9%, Elektrotechnik mit 5,4% Metallwaren mit 4,9% und Eisen und Stahl mit 4,5%. Sonstige Güter hatten einen Anteil von 38,5%.

Förderlich für die deutschen Ausfuhren ist zusätzlich der starke Zloty. Den Mittelkurs legte die Zentralbank NBP am 25.4.08 auf 1 Euro = 3,44 Zl fest. Polnischen Exporteuren wiederum macht die Stärke der eigenen Währung allmählich Sorgen. Das Wechselkursrisiko verschwindet erst mit dem Beitritt Polens zur Euro-Zone. Dieser soll laut dem Leiter der Wirtschaftsabteilung der Polnischen Botschaft in Berlin, Zbigniew Kostecki, zwischen 2011 und 2017 erfolgen.

Finanzminister Prof. Jacek Rostowski gilt dabei als Befürworter einer raschen Übernahme des Euro. Er hält eine Teilnahme am Europäischen Wechselkursmechanismus (WKM-2) ab 2009 für möglich, wie er vor der Presse sagte. Der starke Zloty-Kurs sei hierbei nicht hinderlich. Der Euro-Zone könne Polen dann 2012 beitreten. Erforderlich ist zuvor eine mindestens zweijährige Teilname am WKM-2. Dieser fordert die Festlegung einer Bandbreite, in der die Landeswährung gegenüber dem Euro schwanken darf.

Dynamisch entwickelt sich auch die Investitionstätigkeit im jeweils anderen Land. Seit Beginn der Transformation flossen bis Ende 2006 rund 15,5 Mrd. Euro an deutschen Direktinvestitionen nach Polen. Im Jahr 2007 kam nach vorläufigen Schätzungen ein Betrag von 2,2 Mrd. Euro hinzu. Damit belegte Deutschland im Vorjahr gleich hinter Frankreich, das 2,3 Mrd. Euro aufbrachte, den zweiten Platz. Insgesamt flossen laut vorläufigen Angaben der NBP 12,8 Mrd. Euro an ausländischen Direktinvestitionen nach Polen, so dass 2007 die 100-Milliarden-Euro-Marke überschritten wurde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Allmählich gewinnt auch Polen als Investor in Deutschland an Bedeutung


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