Mit deutschen Maßstäben im Kopf wird das oft ruppige und ungeduldige Verhalten vieler Russen als unangenehm und unhöflich empfunden. Andererseits können Ausländer hier auf eine wohltuende Offenheit und Gastfreundschaft treffen, die sie in ihren Ländern noch nie erlebt haben. Im Umgang mit russischen Geschäftspartnern gelten letztlich die allgemeine Verhaltensetikette. Verstöße gegen den "guten Ton", Überheblichkeit und Rechthaberei sind wie überall unangebracht.
Der Austausch von Präsenten im geschäftlichen Bereich ist üblich und wird in gewisser Weise auch erwartet. Dabei gilt der Grundsatz: Je vertrauter die private Beziehung, desto persönlicher kann das Geschenk sein. In der Anfangsphase einer Zusammenarbeit kommen kleine, aber wirkungsvolle Mitbringsel, die das Interesse an der geschäftlichen Zusammenarbeit unterstreichen und persönliche Wertschätzung ausdrücken, gut an. In dieser Phase empfehlen sich Geschenke, die in Beziehung zum eigenen Unternehmen (zum Beispiel hochwertige Kalender und Schreibaccessoires), zu nachvollziehbaren Interessen (zum Beispiel ein Wirtschaftsbestseller des eigenen Lieblingsautors), zum Heimatland oder zur Heimatstadt (zum Beispiel edle Souvenirs) des Schenkenden stehen.
Bei eingespielten Beziehungen sollte man es sich zur Tradition machen, guten Geschäftspartnern einprägsame, wenngleich nicht übertrieben teure Aufmerksamkeiten zukommen lassen - insbesondere an Feiertagen (speziell zum Jahreswechsel, bei Damen auch zum Internationalen Frauentag am 8. März) oder zu gemeinsam begangenen Ereignissen. Kennt man sein Gegenüber, dessen Hobbys und Vorlieben genauer, bieten sich persönlichere Präsente an.
Süßigkeiten oder Kosmetika sind nur dann empfehlenswert, wenn es sich um hochwertige Produkte handelt. Bei einem Privatbesuch sind ausgesuchte alkoholische Getränke (für den Herrn meist etwas Kräftigeres, zum Beispiel Cognac, für die Dame Wein oder Likör), exquisit verpackte Premiumpralinen oder Delikatessen (zum Beispiel aus deutschen Landen, zum Beispiel die in Moskau populären bayrischen Spezialitäten) gern gesehen.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Auswahl von Blumen angesagt: Blumen sollten möglichst langstielig sein und unbedingt in ungerader Zahl überreicht werden; in gerader Zahl sind sie Beerdigungen vorbehalten. Auch die Farbwahl sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Gelbe Blumen, insbesondere gelbe Rosen, sind als Mitbringsel - es sei denn für einen Trauerfall - unangebracht. Sie symbolisieren, dass dem/der Beschenkten Trauer, Tod oder eine andere schmerzhafte Trennung ins Haus stehen. Auch rein weiße Sträuße, insbesondere für ältere Damen, werden mit Trauer assoziiert.
Auf korrekte und gepflegte Kleidung sollte sowohl bei Geschäftstreffen als auch im privaten Umgang großer Wert gelegt werden. Nicht von ungefähr lautet ein russisches Sprichwort "Man empfängt nach dem Gewand und scheidet nach dem Verstand". Mittlerweile lassen nicht nur russische Frauen, sondern auch immer mehr Männer einen großen Teil ihrer Einkommen in Modeboutiquen, Kosmetik- und Fitnessstudios.
Teure Designerkleidung und -accessoires gelten vor allem in den russischen Metropolen als Statussymbole und werden insbesondere von "neuen Reichen" nachdrücklich zur Schau gestellt. Übertrieben extravagante Kleidung ist jedoch eher auf Showbiz-Kreise beschränkt. Zu Geschäftsanlässen sind Anzug und Krawatte beziehungsweise Kostüm/Hosenanzug in gedeckten Farbtönen angebracht, bei privaten Aktivitäten Casual Wear gehobener Marken.
In ihrer Körpersprache senden Russen grundsätzlich keine völlig anderen Signale als Deutsche. Dennoch gibt es feine Unterschiede, die man kennen sollte, um eine für die Geschäftsbeziehung schädliche Fehlinterpretation zu vermeiden. So ist bei Russen der "Wohlfühlabstand" zu anderen Personen im Allgemeinen geringer als bei den Distanz suchenden Deutschen. Besonders bei eingespielten Beziehungen will der russische Geschäftspartner seinem deutschen Gegenüber durch das Suchen von körperlicher Nähe (zum Beispiel auf die Schulter klopfen, am Arm anfassen) seine Zufriedenheit, seinen Respekt beziehungsweise seine Sympathie demonstrieren.
Mit Mimik und Gestik gehen Russen zumindest in der Öffentlichkeit sparsam um; sogar dem nicht gerade vor Extrovertiertheit strotzenden Deutschen mag der Gesichtsausdruck mancher Russen (zum Beispiel von Behördenvertretern) allzu "versteinert" vorkommen. Im persönlichen Umfeld jedoch zeigen sich viele Russen sowohl in Mimik als auch in Gestik intensiv und stark emotional. Beim tiefsinnigen Philosophieren über Russlands Zukunft, beim inbrünstigen Zitieren literarischer Werke oder beim Schimpfen kommen oft starkes Pathos und intensiver Gefühlsausdruck zu Tage.
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