Noch kurz vor der Parlamentswahl hat die Regierung einen neuen staatlichen High-Tech-Konzern, Rostechnologij, auf die Schienen gesetzt – an der Spitze steht wiederum ein enger Putin-Vertrauter, Sergej Tschemesow, der bislang den staatlichen Rüstungskonzern Rosoboronexport geleitet hatte. Unter dessen Dach sollte auch ein „nationaler Champion“ entstehen, unter anderem mit dem maroden Autohersteller Avtovas (Lada), von einer echten Trendwende ist dieser aber noch meilenweit entfernt. Nun soll der Rüstungskonzern samt Lada in der neuen Holding aufgehen.
Rostechnologij lieferte gleich eine Schlagzeile, die in Moskaus ausländischer Finanzszene für leichte Unruhe sorgte: Die Zeitung „Wedomosti“ meldete, die Staatsholding wolle verhindern, dass die französische Bank Societe General die Kontrolle bei der Rosbank übernehme. Diese Woche erlebte Russland zudem die Geburt eines weiteren Staatsgiganten: Atomenergoprom. Die Korporation im Herzen der Atombehörde Rosatom soll Russlands Aktivitäten im Nuklearsektor bündeln – und Augenhöhe mit Konzernen wie Areva, Siemens oder Toshiba haben.
Der Anteil der Staatskonzerne am Bruttoinlandsprodukt ist in den Putinjahren drastisch gestiegen. Der kleinerer und mittlerer Unternehmen liegt dagegen nur bei rund 15 Prozent. Der Versuch, unter staatlichem Dach im globalen Maßstab wettbewerbsfähige Konzerne zu schmieden, ist nach Ansicht von Sergej Guriew, dem Rektor der New Economic School in Moskau, zum Scheitern verurteilt: „Ohne eine Kontrolle durch Aktionäre gibt es keine Anreize, diese Organisationen effizient zu führen“. Alles hänge an den Fähigkeiten der federführenden Bürokraten. „Ich bezweifele, dass wir in Russland genug wirtschaftlich kompetente und selbstlose haben“, fürchtet Guriew.
Präsidentschaftskandidat Medwedjew gilt zwar nicht als großer Freund der Staatskorporationen. Ein Ende des Trends ist aber noch nicht in Sicht: Der Ökonom Guriew erwartet, dass bis zu den Präsidentschaftswahlen noch weitere Holdings entstehen – auch um die Interessen der verschiedenen Clans zu bedienen.
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