Zwar löse der schwindsüchtige Dollar allein noch kein gesteigertes Shoppingfieber bei den Deutschen aus, wie Kai Lucks, Präsident des Bundesverbands Mergers & Acquisitions, betont. Gekoppelt mit einer Schwäche der Aktienkurse, sehen Experten jedoch zunehmend interessante Investitionsmöglichkeiten in Übersee. Hinzu kommen weitere Verhandlungsmodalitäten, die sich zugunsten der Angreifer drehen: "Gegenwärtig können Käufer in den USA aufgrund der schwachen Wettbewerbsdynamik in Verkaufsprozessen vergleichsweise günstige Preise erzielen", sagt Deutsche-Bank-Manager Manas. Jüngstes Beispiel: Die Deutsche Lufthansa
stieg Ende 2007 mit knapp 20 Prozent beim New Yorker Billigflieger Jetblue ein und hat den Überraschungsdeal zunächst als "Finanzbeteiligung" vermerkt. Kein Wunder: Angesichts der drohenden Rezession in den USA und weiter steigenden Kerosinkosten liegen zahlreiche amerikanische Airline-Aktien auf Jahressicht mehr als 50 Prozent im Minus - Jetblue inklusive. Im langfristigen Vergleich seien die Bewertungen für viele börsennotierte US-Firmen niedrig, sagt Manas: "Die Märkte scheinen einen Gewinnrückgang von bis zu 20 Prozent bereits berücksichtigt zu haben."
Wesentlich leichter als bei US-Übernahmen tun sich die Deutschen beim Aufbau ausländischer Produktionsstätten. Die deutsch-amerikanischen Handwerkskammern beobachten derzeit vor allem Bewegung bei kleinen und mittelständischen deutschen Herstellern, die bislang noch nicht in den USA produzieren. Sie hielten den Zeitpunkt für günstig, um jetzt Fabriken in den Staaten zu eröffnen, heißt es. In einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammern gaben einige Firmen an, dass sich auf diese Weise der Druck verringere, die Fertigung in Billiglohnländer nach Asien oder Osteuropa zu verlagern.
Deutsche Großkonzerne investieren dagegen schon seit Jahren in den USA, um Kosten zu senken und unabhängiger von Währungsschwankungen zu werden. Der Stahlkonzern Thyssen
-Krupp
lässt derzeit vom Anlagenbauer SMS Demag ein Werk in Alabama errichten, in dem ab 2010 jährlich rund fünf Millionen Tonnen Flachstahl produziert werden sollen. Die mehr als drei Milliarden Dollar teure Fabrik ist die größte Investition, die Thyssen
-Krupp
je in den USA getätigt hat. Nach dem Zuschlag für den Bau eines Tankerflugzeugs für die US-Luftwaffe verspricht der europäische Flugzeughersteller Airbus für Alabama ein neues Montagewerk mit Tausenden neuen Arbeitsplätzen. Auch VW
und die Edeltochter Audi
wollen nachziehen und angesichts der Dollar-Schwäche bald Autos in den USA bauen. Derzeit werde "sehr intensiv" darüber nachgedacht, sagte gestern Audi
-Chef
Rupert Stadler. Der Konzern sucht im größten Autoland der Welt unter Hochdruck nach einem neuen Produktionsstandort.
