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01.10.2008 

Kulturell sowie auch durch die Verbreitung der christliche Religion und nicht zuletzt klimatisch ist Ungarn in Mitteleuropa zu Hause. Dadurch ergeben sich viele Gemeinsamkeiten vor allem mit Süddeutschland und die Gefahr, in Fettnäpfchen zu treten, sei nicht sehr groß, stellt Elisabeth Bálint-Cherdron fest, die Unternehmen in interkulturellen Fragen berät. Unterschiede im Umgang miteinander ergeben sich aber durch die Beziehungsorientierung der Ungarn gegenüber den vorwiegend sachorientierten Deutschen. Hier liegt die Wurzel vieler Missverständnisse.

Grundsätzlich geht es in Budapest etwas formeller zu als an Rhein oder Spree und gegenüber Damen auch galanter. So ist bei der Begrüßung noch eine leichte Verbeugung üblich, der Handkuss aber passé. Er hält sich nur noch in der Begrüßungsfloskel "Csókolom (Tschokolom - Küss'die Hand), die jüngere Frauen heute aber ablehnen. Mit höflichem Benehmen - und dafür sind die Grundregeln den deutschen vergleichbar - wird in Ungarn die gute Herkunft signalisiert. Gegenüber Unhöflichkeiten sind Ungarn sehr empfindlich. Sie werden leicht als Kränkung aufgefasst. Die direktere Art der Deutschen wirkt nicht selten arrogant, was den guten ersten Eindruck trüben könnte.

Zu den Höflichkeiten, die sehr positiv aufgenommen werden, gehört das Mitbringen kleiner Geschenke auch zu geschäftlichen Verabredungen. Sie müssen nicht wertvoll sein, sondern Interesse an der Person signalisieren. Etwas Typisches aus der Heimat, eine Süßigkeit, eine Delikatesse oder ein Getränk eignen sich gut dazu, aber auch etwas mit Bezug zum Beschenkten. Tabus bei Geschenken unterscheiden sich nicht von den deutschen. So haben rote Rosen oder Chrysanthemen für Damen in beiden Ländern die gleiche Symbolwirkung. Rote Nelken werden eindeutig mit dem Sozialismus verbunden.

Auch Pünktlichkeit zählt zum Komplex der Höflichkeiten, die speziell vom Ausländer erwartet werden. Es ist besser, fünf Minuten zu früh zu einem geschäftlichen Meeting zu kommen als zu spät. Darin wird eine Missachtung der Person oder des Amtes gesehen. Im privaten Umgang sind (kleinere) Verspätungen aber durchaus üblich.

Etwas formeller als in Deutschland ist auch die Kleiderordnung. Eine Anpassung wird durchweg aber nicht erwartet. Die in Deutschland üblichen Unterschiede nach Branchen sind auch in Ungarn bekannt. Spötteln über das typische Outfit ausländischer Geschäftsleute ist verbreitet und humorvoll gemeint. Bei männlichen Besuchern aus Deutschland ist es das blaue Hemd mit witziger Krawatte, das ein Schmunzeln auslöst, bei Frauen der Hosenanzug. Ungarische Frauen sind oft sehr modisch und auffallend gekleidet. Tun Ausländerinnen ihnen gleich, könnten sie womöglich in einem falschen Licht erscheinen.

In Mimik und Sprache sind Ungarn ausdruckstärker als Deutsche, auch etwas mehr Nähe ist zugelassen. Emotionen werden gezeigt und gestikulierend untermalt. Darin wird kein Gegensatz zu einem ausgeglichenen und reifen Verhalten gesehen, sondern eher zu einem kühlen und gleichgültigen. Im Gespräch fallen von Ungarn schon einmal abfällige Bemerkungen zum Beispiel über die Roma-Bevölkerung, die im Land stark benachteiligt ist. Solche emotionalen Äußerungen sind noch nicht völlig tabuisiert. Sie reizen Ausländer, die an politisch korrektes Verhalten gewöhnt sind, zum Widerspruch.

György Szalay, die die Besonderheiten in der interkulturellen Kommunikation zwischen Deutschen und Ungarn aus ihren Seminaren und aus Rollenspielen kennt, rät zu Zurückhaltung. Äußerungen dieser Art entsprächen nicht der tatsächlichen Geisteshaltung der modernen Ungarn. Die großen Ambitionen und das Selbstbildnis der Ungarn sei mit der Realität ihres Lebens vielfach noch nicht in Einklang.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Spezieller ungarischer Humor

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