Kräftig investiert wird auch in die Energieversorgung: In den kommenden 15 Jahren will die saudische Regierung ihre Kapazitäten bei der Stromerzeugung von 17 000 auf 66 000 Megawatt fast vervierfachen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen 4,5 bis 6 Milliarden US-Dollar im Jahr investiert werden. Die Ausgaben für den Wassersektor, insbeson-dere für Entsalzungsanlagen, liegen bei über 50 Milliarden US-Dollar. Der Bausektor profitiert nicht nur von den Zukunftsplänen, sondern auch von den jahrzehntelang unterlassenen Investitionen bei wachsender Bevölkerung. So stehen bis 2012 über 400 größere Bauprojekte mit Kosten von rund 200 Milliarden US-Dollar an. Die Zeitschrift Saudi Economic Survey berichtet, dass der saudische Staat bis dahin Wohnraum für fünf Millionen Menschen schaffen wird. Auch sollen bis 2025 doppelt so viele Mekkapilger aufgenommen werden können. Deswegen wird kräftig in Luxushotels und Apartments investiert.
Bei den Projektplanungen und -ausführungen sind deutsche Ingenieurleistungen gefragt. Ein erfahrener Player ist die Fichtner GmbH, die als technischer Berater für sogenannte IWPP (Independent Water and Power Projects) führend in Saudi-Arabien und in der Region ist. Schon lange im Geschäft ist auch das Beratungsunternehmen Dornier Consulting, das einen Verkehrsplan für die Viermil-lionenstadt Riad entwickelt hat und im Bereich des Wassermanagements berät. Im Unterschied zu konventionellen Projekten werden IWPPs von privaten Entwicklern gebaut und betrieben. Bei der Ausschreibung der – häufig milliardenschweren – Projekte ist nicht allein „technische Expertise“ gefordert, sagt Karl Peter Schleich, Vertriebsleiter Mittlerer Osten bei Fichtner: „Vielmehr geht es auch um Fragen der Risikoverteilung zwischen den Beteiligten, der finanziellen Analyse und der Vertragsgestaltung.“
Im Anlagenbau ist das Umfeld, trotz großer Nachfrage, schwieriger: typisch die Aussage eines Managers aus dem Anlagenbau, der namentlich nicht genannt werden will. Ihn stört weniger, dass Fertigungsanlagen etwa aus China günstiger angeboten werden. „Hier können wir immer noch mit der besseren Qualität punkten.“ Passen müsse man aber, wenn in der Realisierungsphase „die Standards massiv unterlaufen werden“. Wichtiger Erfolgsfaktor ist die Präsenz vor Ort. Schwierigkeiten macht bisweilen der oftmals langjährige und zähe Anlauf, bis es in dem konservativen Land zum Geschäftsabschluss kommt.
Weiterer Nachteil: Saudi-Arabien liegt beim Korruptionsindex der Organisation Transparency International auf den hinteren Rängen. Trotzdem: Die anrollende Projektwelle, verbesserte Rahmenbedin-gungen und die guten Wirtschaftsdaten haben die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Saudi-Arabiens enorm verbessert. Der politische Wille, die Reformen und den Umbau voranzutreiben, ist da.
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