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29.04.2008 

Aus wirtschaftlicher Sicht mindestens ebenso wichtig ist eine funktionierende Infrastruktur. Hier gibt es noch einige Sorgen-kinder: Der Wassermangel im trockenen Sommer 2007 hat die Grenzen der bestehenden Anlagen genauso aufgezeigt, wie es die immer wieder vorkommenden Stromausfälle oder der mit schöner Regelmäßigkeit drohende Verkehrskollaps in der Metropole Istanbul tun. Von den rund 3000 Kommunen des Landes verfügen gerade mal 16 über eine Mülldeponie, die den Umweltauflagen der EU entspricht.

Wolfram Erhardt, Direktor des Büros der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Ankara, schätzt, dass circa 50 Milliarden Euro in die kommunale Infrastruktur fließen müssen, um EU-Standards zu erreichen. Da nur ein geringer Teil davon aus türkischen Haushaltsmitteln oder Zuwendungen bilateraler Geber wie Deutschland oder der EU zur Verfügung steht, könnten die Ver- und Entsorgungseinrichtungen die Region Adana im Süden oder die anatolischen Städte Konya, Kayseri und Gaziantep gewinnen an Bedeutung.

Eine wichtige Rolle spielt dabei eine zunehmend mittelständisch geprägte Unternehmerschaft. Neugründungen, Partnerschaften mit ausländischen Herstellern und die Privatisierung von vormals staatlichen Betrieben haben die wirtschaftliche Landschaft der Türkei in den letzten 20 Jahren verändert. Neben die klassischen Produkte wie Haselnüsse, Jeanshosen und Lederjacken sind Autos, Kühlschränke oder Fernseher als neue Exportschlager getreten.

Allerdings ist bislang der Umfang importierter Vorprodukte hoch. Die Einfuhren steigen fast analog zu den Exporten, beharrlich hält sich das Leistungsbilanzdefizit. Im ersten Halbjahr 2007 überstiegen die Importe die Ausfuhren im Wert um 27,9 Milliarden US-Dollar. Hierin spiegelt sich die noch geringe Innovationskraft der türkischen Unternehmen, die in großem Umfang Maschinen und Anlagen einführen müssen. Weniger als ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes flossen 2006 in den Bereich Forschung und Entwicklung. In weiten Teilen befindet sich die Türkei noch in der Position der „verlängerten Werkbank“ mit dem wesentlichen Absatzmarkt Europa.

Technologie fließt in der Regel durch die Zusammenarbeit türkischer Unternehmen mit ausländischen Partnern ins Land. „Spill-over-Effekte werden zu merklichen Produktivitätssteigerungen auch bei lokalen Herstellern führen“, sagt Kargin. Beschleunigend wirkt dabei die immer stärkere Verflechtung mit der EU. Die europäischen Länder sind der mit Abstand wichtigste Markt für türkische Ausfuhren. Daher werden die dort gültigen Standards und Normen rasch übernommen. Der enger werdende Verbund in der Produktionssphäre läuft den deutlich zäheren politischen Beitrittsverhandlungen deshalb mit lockerem Schritt voraus. Die wesentlichen Hindernisse für die weitere Annäherung an die Europäische Union liegen auf politischen und rechtlichen Feldern.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Noch einige Sorgenkinder

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