Auch bei Betrachtung der gesamten Zeitspanne seit der Transformation liegt Deutschland als ausländischer Investor an zweiter Stelle, in diesem Fall hinter den Niederlanden. Dort haben allerdings viele internationale Konzerne ihren Sitz, von dem aus sie ihre Aktivitäten in Polen organisieren. Fast das gesamte Engagement deutscher Unternehmen betraf greenfield investments (95,3%), auf Übernahmen entfielen 4,4%; in Zusammenhang mit der Privatisierung stehende Investitionen machten lediglich 0,3% aus.
Die Bedeutung der Privatisierung kann künftig wieder zunehmen, da die polnische Regierung inzwischen ihr einschlägiges Vierjahresprogramm beschlossen hat. Demnach sollen bis Ende 2011 insgesamt 740 Gesellschaften des Fiskus in private Hände übergehen. Der Minister des Staatsschatzes Aleksander Grad erwartet dadurch Einnahmen von bis zu 30 Mrd. Zl, sofern sich die Börsenkonjunktur günstig entwickelt.
Etwa 30 größere Gesellschaften könnten über die Börse privatisiert werden, darunter solche aus dem Energiebereich. Nach den Plänen des Schatzministeriums sollen Aktien des Energiekonzerns Enea und der Polska Grupa Energetyczna (PGE, Polnische Energiegruppe) noch 2008 an der Warschauer Börse notiert werden; 2009 sollen dann Tauron und Energa folgen. Seine Anteile behalten will der Staat dagegen an 25 Unternehmen u.a. aus dem Erdöl- und Erdgassektor, darunter an den Erdölkonzernen PKN Orlen und Lotos, sowie an dem Kupferkombinat KGHM Polska Miedz.
Allmählich gewinnt auch Polen als Investor in Deutschland an Bedeutung. Bisher flossen etwa 650 Mill. Euro aus dem Nachbarland nach Deutschland (Stand: Ende 2007), allein 2007 etwa 150 Mill. Euro. Dieser Trend dürfte sich künftig noch verstärken.
Kürzlich übernahm der polnische Hersteller von Keramikfliesen, Ceramika Tubadzin, den deutschen Produzenten von Klinkerplatten Korzilius. Dadurch bleiben nicht nur rund 150 Arbeitsplätze erhalten, sondern die Kapazitäten sollen noch aufgestockt werden, wie die Tageszeitung "Polska" berichtet. Das meiste Kapital brachte bisher PKN Orlen mit 150 Mill. Euro auf, der das Tankstellennetz der Marke "Star" betreibt. Der Chemiekonzern Ciech erwarb ein Sodawerk.
Gegen Ende 2007 übernahm der Hersteller von Bergwerksmaschinen Kopex die deutsche Hansen Sicherheitstechnik AG. Außerdem kaufte Ergis-Eurofilms zwei Unternehmen aus dem Kunststoffbereich. Im Jahr 2006 waren in Deutschland rund 44.000 - überwiegend kleine - polnische Firmen registriert, darunter ein Zehntel in Berlin (zur Zeit über 6.000). Polnische Bauunternehmen haben etwa 100 Filialen im Nachbarland.
Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).
