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HANDELSBLATT, Freitag, 9. Mai 2008, 09:55 Uhr

Noch verbrauchen die 70 Mill. Türken pro Kopf nur etwa ein Viertel so viel Strom wie die Deutschen. Aber das starke Wirtschaftswachstum, zunehmender Wohlstand und der florierende Absatz von Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik lässt die Strom-Nachfrage stark ansteigen. Im vergangenen Jahr nahm der Elektrizitätsverbrauch um 8,6 Prozent auf 190 000 Gigawattstunden (GWh) zu. Bis 2020, so die Hochrechnungen, wird sich die Nachfrage auf 400 000 GWh mehr als verdoppeln - kein Wunder, dass der türkische Elektrizitätsmarkt zunehmend private Investoren anlockt.

Nach langen Verzögerungen hat die Regierung nun die ersten beiden Strom-Verteilungsnetze zur Privatisierung ausgeschrieben. Nach und nach sollen alle 20 regionalen Verteilungsnetze verkauft werden. Zu den ausländischen Stromkonzernen, die bereits Interesse zeigen, gehören Eon, die spanische Iberdrola und die italienische Enel. Privatisieren will die Regierung auch den staatlichen Kraftwerksbetreiber EÜAS. Das Unternehmen betreibt 15 Wärmekraftwerke mit einer Kapazität von 9 000 Megawatt (MW) und 107 Wasserkraftwerke mit 11 000 MW. EÜAS soll in mehreren Teilen verkauft werden.

Die großen türkischen Industrie-Holdings fokussieren sich auf das Geschäftsfeld Energie. So übernahm die Koc Holding, die größte türkische Unternehmensgruppe, den Raffinieriebetreiber Tüpras. Die Sabanci Holding, zweitgrößte Unternehmensgruppe, will bis 2015 Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 5 000 MW bauen. "Gemeinsam wollen wir 6,5 Milliarden Euro in den Bau von Kraftwerken und Übernahmen von Verteilungsnetzen investieren", sagt Konzernchefin Güler Sabanci. Dazu ist sie ein Joint Venture mit Österreichs führendem Energieversorger Verbund eingegangen, der an der gemeinsamen Energietochter Enerjisa 49,9 Prozent hält. Auch die Konzerne Sano, Alarko, Polat, Borusan und Zorlu planen Milliardeninvestitionen im Energiesektor, teils mit ausländischen Partnern.

Auf großes Interesse stoßen die Pläne der Regierung, in die Atomenergie einzusteigen. Der erste Meiler, der bei Akkuyu an der Mittelmeerküste gebaut werden soll, ist ausgeschrieben. Bis zum 24. September erwartet die Regierung Angebote.


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