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13.09.2006 
Verhandlungspraxis

Den Schweden nicht zu nahe kommen

von Hans-Peter Hüssen, bfai

Trotz der kulturellen Nähe zu den nördlichen Nachbarn unterscheidet sich das Arbeits- und Führungsverhalten in Schweden von dem in Deutschland. In Mentalität und Verhandlungsstil bestehen kleine aber bedeutsame Unterschiede. So kann zu scharfe Kritik oder Unbeherrschtheit schnell tiefe Gräben reißen. Wer Geschäfte machen will, sollte die Business-Etikette und das „Tack för senast“ beachten.

Schweden bevorzugen freundliche Zuürckhaltung. Forsches Auftreten in Verhandlungen kommt schlecht an. Foto: dpaLupe

Schweden bevorzugen freundliche Zuürckhaltung. Forsches Auftreten in Verhandlungen kommt schlecht an. Foto: dpa

STOCKHOLM. Die stark egalitäre und demokratische Einstellung hat dazu geführt, dass in Schweden formal-hierarchische Strukturen längst durch überwiegend funktionale Teamwork-Organisationen abgelöst sind. Es herrscht ein moderner kollegialer Führungs- und Umgangsstil. Untergebene werden als Mitarbeiter gesehen und besitzen häufig erheblich mehr Freiheiten und Verantwortung als in deutschen Betrieben. Selbständigkeit sowie Planungs- und Handlungsspielraum der Angestellten sind daher verhältnismäßig groß. Beratungen und Besprechungen von Fach- und Beschlussgruppen finden fast täglich statt und legen die Chefentscheidungen praktisch immer fest.

Die Bedeutung von Zeitplänen und Terminen ist Schweden sehr bewusst. Sie halten sie meist genau ein, zum einen aus Achtung vor dem Geschäftspartner, da sie diesem ein ähnliches Zeitempfinden unterstellen. Zum anderen aber auch, weil sie selbst ihre Zeit optimieren wollen, um neben der Arbeit auch Freizeit zu haben, die sie zumeist mit ihrer Familie in ihrem Eigenheim oder in der Natur verbringen.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Schweden sind traditionell eng und gut. Mit der im 12. Jahrhundert eingeleiteten deutschen Expansion in den Ostseeraum begann eine enge Handelsverbindung zu den nordischen Ländern. Gerade in Stockholm war der deutsche (besonders der Hanse-) Einfluss so stark, dass lange Zeit der 2. Bürgermeister ein Deutscher war. Noch heute gibt es deutsche Kirchengemeinden in Göteborg und Stockholm. Diesen Gemeinden gehören auch viele Schweden mit deutscher Abstammung an. Auch die Deutsche Schule Stockholm ist als Begegnungsschule, an der schwedische und deutsche Kinder unterrichtet werden, ein Beleg für die engen Beziehungen. Hilfreich für die Beziehungen ist ferner, dass die derzeitige schwedische Königin Sylvia Deutsche und das Königshaus beliebt ist.

Schweden gehen bei Deutschen von einer großen Ähnlichkeit im sozialen Denken aus. Die deutsche soziale Marktwirtschaft betrachten sie als ihrem Wohlfahrtsstaat wesensverwandt. Auch im Demokratieverständnis werden gewisse Ähnlichkeiten gesehen. Außerdem ist Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner.

Verbundenheit schafft auch die Sprache. Schwedisch gehört zur germanischen Sprachfamilie und ist dem Niederdeutschen eng verwandt. Hinzu kommt, dass während der Hanse-Zeit (14. bis 16. Jahrhundert) viele Wörter direkt der deutschen Sprache entlehnt wurden. Deutsch war bis vor wenigen Jahrzehnten die erste Fremdsprache.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schweden sind anfangs zumeist reserviert

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