0 Bewertungen
30.11.2006 
Serie Verhandlungspraxis

Indien: Warum der Geschäftspartner meist im Hotel wartet

von Michael Sauermost, bfai

Was einige als Schlitzohrigkeit und an der Grenze einer seriösen Geschäftsbeziehung empfinden, bezeichnen andere als indische Geschäftstüchtigkeit. Auf jeden Fall kann für erfolgreiche Verhandlungen eine gute Portion Gelassenheit und eine positive Grundeinstellung gegenüber Indien nicht schaden.

Indische Frauen im Sari. Foto: dpaLupe

Indische Frauen im Sari. Foto: dpa

bfai NEW DELHI. Obwohl der Subkontinent mit seinen unterschiedlichen Facetten in seiner Gänze kaum zu erfassen ist, ein paar generelle Tipps lassen sich geben, damit der erste Geschäftsbesuch zumindest nicht zu Missverständnissen führt.

Die Begrüßung erfolgt unspektakulär per Handschlag und Austausch der Visitenkarten, allerdings sollte bei Frauen erst darauf gewartet werden, ob diese ihre Hand zur Begrüßung reichen oder nicht. Im letzteren Fall ist es ratsam, es bei Grußwörtern zu belassen. Es wird allgemein erwartet, älteren Personen besonderen Respekt zu zollen - vielleicht noch stärker, als dies in Deutschland der Fall ist.

Männliche Geschäftsleute sollten sich bei Einladungen Frauen gegenüber äußerst zurückhaltend verhalten. So gilt es beispielsweise alles andere als höflich, der Ehefrau des Gastgebers besondere Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn diese vorher teilnahmslos und scheinbar gelangweilt abseits stand. Bei gesellschaftlichen Anlässen ist es weiterhin meist üblich, dass Männer und Frauen jeweils unter sich bleiben. Diese Konstellation ändert sich erst, wenn längere Freundschaften geknüpft werden.

In Bezug auf Stellungnahmen zur wirtschaftlichen Situation im eigenen Land wechseln Inder bisweilen von einem Extrem ins andere - von einer patriotisch optimistischen Haltung zu teilweise recht harscher Kritik. Der ausländische Beobachter sollte jedoch keinesfalls die geäußerten kritischen Bemerkungen als Stein des Anstoßes nehmen, seine in Indien gesammelten negativen Erfahrungen von der Seele zu reden. Im Gegenteil: Peinlichst genau ist darauf zu achten, den Landesstolz des Gegenübers nicht zu verletzen. Für kritische Berichterstattung finden sich genügend Interessierte auf den alternativen Expatriates-Veranstaltungen. Es empfiehlt sich, sofern der Gesprächspartner nur flüchtig bekannt ist, dem heiklen Thema Pakistankonflikt auszuweichen. Allgemein sind anzügliche Themen auch nach ein paar Gläsern Bier strikt zu vermeiden.

Außenstehende empfinden das Verhalten von Indern untereinander teilweise auf den ersten Blick als unhöflich. Mag es an der Lautstärke der Konversation oder den teilweise spektakulären Gestikulationen liegen: Zunächst meint der Newcomer einen Konflikt ausgemacht zu haben. Dies ist jedoch meist nicht der Fall, was insbesondere dann irreführen kann, wenn bei Verhandlungen mit mehreren Geschäftsleuten die Konversation falsch interpretiert wird.

Auch in Bezug auf Körperkontakt ist der Umgang tendenziell etwas ruppiger, was vom versehentlichen Anrempeln bis hin zum freudigen Schulterklopfen reichen kann. Ebenfalls vom klassischen europäischen Höflichkeitsverständnis weicht ab, dass eine Konversation mitten im Satz unterbrochen wird, wenn das Mobiltelefon läutet. Von all diesen Dingen sollte sich der ausländische Geschäftsreisende nicht beeindrucken lassen und an seinem üblichen Verhaltenskodex festhalten. Dies wird in der Regel auch so von ihm erwartet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die erste Begegnung mit dem Geschäftspartner

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

AussenwirtschaftMit kultureller Kompetenz zum Erfolg

19.07.2008 Von Necip C. Bagoglu, bfai

AußenwirtschaftScharf verhandeln in Korea

18.05.2008 Von Finn Mayer-Kuckuk

AußenwirtschaftWenn den Ungarn der Kragen platzt

01.05.2008 Von Erika Anders-Clever und Csilla Remann, bfai
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterStartup

Es geschah in einer Sommernacht  Artikel in Merkliste

07.07.2008Mit Allyve.de sollen alle gängigen Internetseiten auf einer Startseite gebündelt werden. Foto: Screenshot Allyve.de

Soziale Netzwerke, Suchmaschinen und Shoppingportale gibt es inzwischen so viele, dass es mühsam ist, jede Seite im Blick zu behalten. Es müsste doch möglich sein, alle Seite auf einer Startseite zusammenzufassen, dachte sich darum die Hamburger Wirtschaftsingenieurin Julika Bleil - und erfand Allyve. Artikel


weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

candidus Mittelstands-EKG™ 

13.07.2008

Wie in den vergangenen Jahren führen wir auch in diesem Jahr wieder das candidus Mittelstands-EKG™ durch. Das Mittelstands-EKG™ ermittelt die Erfolgsfaktoren für profitables und nachhaltiges Wachstum im Mittelstand. In diesem Jahr steht das Supply Chain Management als einer der Erfolgsfaktoren im Zentrum der Untersuchung.
Umfrage starten... WEB-Link


Anzeige