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20.12.2006 
Verhandlungspraxis

In Westafrika nur die rechte Hand benutzen

von Inge Hackenbroch und Roland Wohlleben, bfai

Der wachsende Rohstoffhunger der Industrie- und Schwellenländer kurbelt die Wirtschaft in Ost-, Zentral- und Westafrika an. Riesige Infrastrukturprojekte sorgen für volle Auftragsbücher. Auch für deutsche Unternehmen ergeben sich Chancen. Wer in Afrika Geschäfte machen will, braucht keine exotischen Rituale zu fürchten. Allerdings sollten einige Besonderheiten und Tabus beachtet werden.

Erfolgreiche Verhandlungen: Wer in Afrika Geschäfte machen will, braucht Geduld und Verständnis. Foto: apLupe

Erfolgreiche Verhandlungen: Wer in Afrika Geschäfte machen will, braucht Geduld und Verständnis. Foto: ap

NAIROBI. Alle subsaharischen afrikanischen Staaten sind ehemalige Kolonialländer, wobei vor allem Großbritannien und Frankreich als größte Imperialmächte auch die tiefsten Spuren in Wirtschaft und Gesellschaft ihrer ehemaligen Territorien hinterlassen haben. Dies trifft im Fall von Großbritannien auf die ostafrikanischen Länder Kenia, Tansania und Uganda zu, wo die Briten noch über beste Beziehungen verfügen.

Weniger ausgeprägt sind solche Strukturen in den beiden anglophonen Ländern im Westen Afrikas, Nigeria und Ghana. Entsprechendes gilt für die Franzosen in den westlichen Ländern des Kontinents und für die Portugiesen in ihrem postkolonialen Einflussbereich Angola und Mosambik.

Selbst das kleine Belgien hatte seiner Riesenkolonie Kongo und den Königreichen Ruanda und Urundi (heute Burundi) in den langen Jahrzehnten seiner Herrschaft einen prägenden Stempel aufdrücken können. Auch hier sind trotz aller Feindseligkeiten nach der Unabhängigkeit die engen kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen geblieben und stellen nach wie vor ein wichtiges Element des Geschäftsalltags dar.

Deutschland hatte wegen der nur kurzen Geschichte als Kolonialmacht weniger Gelegenheit, bleibende Spuren in Wirtschaft und Gesellschaft zu hinterlassen - außer vielleicht in Namibia, dem ehemaligen "Deutsch-Südwest". In den ehemaligen deutschen Kolonialländern Tansania (früher Tanganyika) im Osten sowie im Westen dem kleine Togo und der Küstenregion Kameruns kann von einem besonderen deutschen Einfluss derweil kaum die Rede sein.

Ein Sonderfall ist der im indischen Ozean gelegene Inselstaat Mauritius, wo sich Franzosen und Engländer als Kolonialmächte abgewechselt haben. Eine direkte Folge ist die durchgängige Zweisprachigkeit der Insel, was ihr Vorteile als Tourismus-, Finanz- und Callcenter-Standort beschert.

Besonders ist auch die Geschichte im größten Staat am Horn von Afrika, Äthiopien, das einer alten Hochkultur entstammt und das älteste christliche Land außerhalb Europas ist. Unter italienisch-faschistischer Kolonialherrschaft war Äthiopien nur sehr kurz (1936 bis 1941). Wenn diese Zeit noch nachwirkt, dann, so Landeskenner, nur mit Ressentiments gegenüber italienischen Geschäftsleuten oder gegenüber Südeuropäern generell. Deutsche, Holländer und Nordeuropäer sowie Abstrichen Nordamerikaner gelten als zuverlässig.

So profitieren von der Kolonialgeschichte per Saldo eher die weitgehend "unbelasteten" Länder wie Deutschland. Und dort, wo deutsche Kolonialherren vor dem Ersten Weltkrieg Spuren hinterlassen haben, stellt man in Gesprächen mit Einheimischen häufig fest, dass die Deutschen auch als ehemalige Kolonialmacht einen guten Ruf genießen.

Das heutige Bild des Deutschen wird in den frankophonen Ex-Kolonien hauptsächlich von der jüngeren Vergangenheit geprägt und weist in erster Linie vorteilhafte Züge auf, die auch dem Geschäftsreisenden einen gewissen Sympathievorsprung verschaffen. Fleiß, Zuverlässigkeit, Seriosität, Geradlinigkeit und technische Kompetenz sind die Eigenschaften, die jedem Besucher aus "Allemagne" als selbstverständlich zugeschrieben werden. Mit diesem Pfund lässt sich bei allen Geschäftsverhandlungen ausgiebig wuchern.

Eine besondere Rolle in den Beziehungen zwischen Deutschland und Afrika spielt ferner die lange Zeit des Kalten Krieges, als auch Afrika zwischen westlich und östlich orientierten Ländern gespalten war. Aus dieser Zeit stammen noch enge Bindungen und Beziehungen an das Deutschland der Ex-DDR, wo auch viele afrikanische Studenten aus den betreffenden Ländern aufgenommen wurden: Dies waren im südlichen Teil des Kontinents Angola und Mosambik und in Ostafrika Tansania. Damit haben die recht engen Beziehungen Tansanias zu Deutschland doppelte Ursprünge, und das Land war auch schon zu Zeiten des gespaltenen Deutschlands Schwerpunktland für die westdeutsche Entwicklungshilfe.

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