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29.01.2007 
Verhandlungspraxis

Südfafrika: Leere Versprechungen einkalkulieren

von Carsten Ehlers und Martin Böll, bfai

Südafrika ist eine multikulturelle Gesellschaft und orientiert sich im Geschäftsleben an westlichen Gepflogenheiten. Dennoch gibt es eine Reihe an Besonderheiten zu beachten. Bestimmte Themen gelten als brisant und sollten gemieden werden, will sich der Deutsche nicht dem Risiko aussetzen, in ein „Fettnäpfchen“ zu treten.

In Südafrika: Männer grüßen Frauen nicht unbedingt mit Handschlag. Foto: apLupe

In Südafrika: Männer grüßen Frauen nicht unbedingt mit Handschlag. Foto: ap

JOHANNESBURG. Südafrika wird durch eine multikulturelle Gesellschaft geprägt. Der letzte Zensus (2001) spricht von 79,0% Afrikanern, 9,6% Weißen, 8,9% Farbigen (Coloured) und 2,5% Asiaten (vornehmlich Indern). Gesprochen werden eine Vielzahl von Sprachen, von denen elf offiziell anerkannt sind.

Rund 23,8% der Bevölkerung, so der letzte Zensus, sprechen als Muttersprache IsiZulu, 17,6% IsiXhosa und 13,3% Afrikaans. Englisch ist nur für 8,2% der Bevölkerung die erste Sprache, für eine große Mehrheit aber die Zweitsprache. Im Geschäftsleben wird überwiegend Englisch, in bestimmten Gegenden auch Afrikaans gesprochen. Das persönliche Wertesystem ist stark von der jeweiligen ethnischen, kulturellen und religiösen Zugehörigkeit geprägt.

Das Zeit- und Terminempfinden eines Südafrikaners kann nicht generell beurteilt werden, es richtet sich in erster Linie nach dem persönlichen Wertesystem des Gesprächspartners und seiner Ausbildung. Pünktlichkeit wird vor allem von der Bedeutung bestimmt, die einem Anlass beigemessen wird. So werden reine Geschäftstermine zum Beispiel im Büro eines Partners von allen Seiten meist präzise eingehalten, während es bei einer Einladung zum Grillvergnügen am Wochenende durchaus üblich ist, dass Gäste mit mehrstündiger Verspätung erscheinen. Südafrikanische Geschäftsleute entschuldigen sich in der Regel zeitig, wenn sie einen zugesagten Termin nicht einhalten können oder sich voraussichtlich verspäten.

Mitunter völlig anders beurteilen Landeskenner das langfristige Zeitempfinden vieler Südafrikaner. Aussagen wie "in einer Woche haben wir dies im Griff" oder "in zwei Jahren läuft das Projekt zu hundert Prozent" werden häufig schnell geäußert, ohne dass man sich genau überlegt, ob solche Zeitvorgaben überhaupt eingehalten werden können. Kritische Landeskenner bemängeln auch die Tendenz zur Großspurigkeit.

Nach dem Weltbild einiger Bevölkerungsgruppen ist Südafrika der einzige Industriestaat und die einzige Kulturmacht südlich der Sahara und damit, überspitzt formuliert, der Nabel der Welt. Vor allem gegenüber Vertretern aus anderen afrikanischen Staaten treten Südafrikaner, egal welcher Rassenzugehörigkeit, mitunter geradezu arrogant auf.

Wie kaum in einem anderen Land der Welt ist in Südafrika ein Auto das ultimative Statussymbol. Wer einen neuen Job angenommen hat, läuft oft genug schon mit dem ersten Gehaltszettel zum Autohändler, um auf Kredit einen der Position "angemessenen" Wagen zu kaufen. Es ist völlig "normal", wenn man für seinen privaten Fuhrpark genauso viel ausgibt wie für sein Haus. Bescheidenes Sparen ist keine südafrikanische Tugend. Diesem entsprechend ist mitunter das Auftreten bei Geschäftsverhandlungen: "Das machen wir schon" und "kein Problem" lauten viele Standardsätze. Dies sind dann noch nicht einmal reine Floskeln, sondern durchaus Aussagen, zu denen viele Südafrikaner in ehrlicher Überzeugung stehen - auch wenn sich diese Versprechen später als unhaltbar herausstellen.

Im unternehmerischen Hierarchiegefüge ist die Zuvorkommenheit hervorzuheben, mit der in Südafrika Frauen begegnet wird. So ist es beispielsweise durchaus üblich, dass der Direktor der Auszubildenden die Türe aufhält. Nicht unbedingt erwartet wird dagegen, dass der Auszubildende oder der schwarze Pförtner den Direktor zuerst grüßt. In der alten Stammestradition darf der Häuptling oder ein Älterer nie zuerst angesprochen werden. Nur wenn dieser zuerst grüßt, muss erwidert werden. Regionale Besonderheiten erklären sich ausschließlich aus der Konzentration verschiedener ethnischer Gruppen in bestimmten Gebieten, wie dem hohen indischen Bevölkerungsanteil in Durban.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In jedem zweiten Satz ein "bloody"

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