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31.08.2007 
Finanzkrise

Großbanken droht Milliardenrisiko

von Nicole Bastian, Rolf Benders, Robert Landgraf

Die internationalen Großbanken stehen vor einem heißen Herbst. Nach Einschätzungen von Investmentbankern wird sich zum Quartalsende im September entscheiden, ob die aktuelle Finanzkrise abflaut oder sich weiter verschärft.

Die Großbanken stehen vor einem heißen Herbst. Foto: apLupe

Die Großbanken stehen vor einem heißen Herbst. Foto: ap

FRANKFURT. „Im September bekommen wir eine schwierige Situation am Markt. Gerade Fonds richten ihre Portfolios zum Quartalsende neu aus, bauen sie um und entscheiden über die Anlagestrategie im neuen Quartal“, sagte der Vorstand einer deutschen Großbank.

Die Angst: Wenn die Refinanzierung von Kreditrisiken über kurzfristige Schuldverschreibungen endgültig zusammenbricht, müssen Großbanken milliardenschwere Liquiditätszusagen erfüllen. Nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor’s hat ABN Amro beispielsweise Zusagen für kurzfristige Finanzierungsgeschäfte in Höhe von 103 Mrd. Euro übernommen, die Deutsche Bank immerhin von 40 Mrd. Euro. Weltweit haben Banken Garantien dieser Art im Volumen von 1,3 Bill. Dollar abgegeben.

Bislang hat die Vertrauenskrise an den Märkten in Deutschland die Mittelstandsbank IKB und die Sächsische Landesbank (SachsenLB) in massive Probleme gebracht. Beide erlebten, was den internationalen Großbanken möglicherweise noch bevorsteht. Sie hatten für Finanzierungsgesellschaften gebürgt, die langlaufende Anleihen mit kurzfristigen Schuldverschreibungen, sogenannten Commercial Papers (CP), refinanzieren und aus der Zinsdifferenz Profite machen sollten. Wegen der US-Hypothekenkrise sind diese CPs aber kaum mehr verkäuflich. Zu groß ist die Sorge der Investoren, dass die Anleihen – oft gebündelte US-Wohnungskredite – ausfallen und so die CPs wertlos werden könnten.

Hält die Situation an oder müssen die Anleihen in den Finanzierungsgesellschaften wertberichtigt werden, sind Sponsorbanken gezwungen einzuspringen. „Der wichtigste, vertraglich fixierte Auslöser für die Inanspruchnahme der Liquiditätsgarantien ist der Verfall des Nettowertes des Portfolios unter einen vorher festgelegten Wert“, sagte ein Investmenbanker. Das Problem: Die Banken müssten den Finanzierungsgesellschaften dann Kredite geben, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Nach den Eigenkapitalregeln des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht müssten die Großbanken bei voller Fälligkeit der Liquiditätslinien nach Schätzungen von Investmentbankern mehrere Milliarden Dollar Eigenkapital dafür aufwenden. „Banken, die nicht genügend Liquidität haben, werden Probleme bekommen, ihren Verpflichtungen nachzukommen“, so Dirk Schiereck, Bankenexperte an der European Business School.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Spannung vor den Quartalszahlen.

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