Kein europäisches Land hat in so kurzer Zeit so viele Immigranten aufgenommen wie Spanien. Der Großteil von ihnen kommt aus Lateinamerika, in den letzten Jahren ist aber vor allem die Zahl der Osteuropäer und Nordafrikaner stark gestiegen. Ein Zukunftsgeschäft für Finanzinstitute. Wie die spanische Großbank BBVA um Einwanderer buhlt.
MADRID. Es ist ein sonniger Samstagnachmittag. In San Sebastian de los Reyes, einer kleinen Satellitenstadt im Norden von Madrid, arbeitet heute niemand. Niemand bis auf die Kolumbianerin Claudia Grajales, die in der hiesigen Filiale von Dinero Express die Stellung hält. Dinero Express ist die Tochterbank des großen spanischen Geldhauses BBVA und zuständig für Einwanderer. „Wir haben einen Kredit für Dich, bis zu 3 000 Euro, ohne viel Papierkram und mit niedrigen Raten“, steht auf einem großen Plakat in der Bankfiliale geschrieben. Ein ausliegender Flyer stellt in spanisch und arabisch die Rückführungsversicherung von BBVA vor, die im Todesfall die Bestattung in der Heimat garantiert.
Kein europäisches Land hat in so kurzer Zeit so viele Immigranten aufgenommen wie Spanien. Betrug der Anteil an Ausländern im Jahr 2000 nur vier- , sind es mittlerweile etwa elf Prozent. Der Großteil von ihnen kommt aus Lateinamerika; in den letzten Jahren ist aber vor allem Zahl der Osteuropäer und Nordafrikaner stark gestiegen. „Ein Zukunftsgeschäft für die Bank“, sagt Miguel Angel Muñoz, Direktor bei Dinero Express. Die BBVA eröffnete bereits im März 2005 die erste Dinero-Express-Filiale mit einem neuen Konzept auf die Immigranten: Im Unterschied zu rein auf Geldüberweisungen ausgerichtete Finanzinstitute wie Western Union bietet BBVA zusätzlich zu den Überweisungen auch Bankdienstleistungen an. Die Produkte und Öffnungszeiten wurden speziell auf Immigranten abgestellt.
Das Geschäft wächst rasant. „Dinero Express“ hat heute insgesamt 124 Filialen in Spanien, in diesem Jahr sollen noch mindestens sechs weitere hinzukommen; 92 davon sind sogenannte full-time-Filialen, die sieben Tage die Woche von 10 bis 22 Uhr für Immigranten geöffnet sind. Ende letzten Jahres zählte Dinero Express 552 000 Kunden, zum Jahresende 2007 sollen es 700 000 Kunden sein. Das Hauptgeschäft sind die Telefongespräche, die Dinero Express zu einem sehr günstigen Tarif anbietet sowie die sogenannten „Remesas“, die Geldüberweisungen der Immigranten in ihre Heimat.
In der Filiale von San Sebastian de los Reyes ist an diesem Nachmittag nicht viel los, erst gegen Abend wird es voller – wegen des Zeitunterschieds nach Lateinamerika. Claudia Grajales unterhält sich mit ihrem einzigen Kunden, dem 42-jährigen Eduardo aus Ecuador, der direkt nebenan wohnt und drei bis viermal die Woche vorbeikommt, um seine Familie in der Heimat anzurufen oder Geld von seinem Konto bei Dinero Express zu überweisen.
Eduardo ist seit einem Jahr im Land. Er arbeitet auf dem Bau, ganz legal, mit Arbeitserlaubnis und Sozialversicherung. Für Leute wie ihn ist es leicht, ein Konto zu eröffnen, auch in anderen, nicht auf Immigranten spezialisierten Banken. So unterhält der Ecuadorianer auch ein Konto bei der Caja Madrid, über das er sein Gehalt von etwas mehr als 1 000 Euro überweisen lässt; ein weiteres hat er bei Santander, weil man ihm dort eine Kreditkarte gab.
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