Erdrutschartige Verluste bei Bankwerten und Börsenkursen: Die Kreditkrise an den internationalen Kapitalmärkten hat die britische Bankenbranche fest im Griff. Zwar gehen auch Horrorszenarien nicht davon aus, dass die Krise existenzbedrohende Ausmaße annehmen könnte – doch die Wettbewerbsfähigkeit der City steht auf dem Spiel.
Mitte September musste die britische Zentralbank gemeinsam mit der Finanzaufsicht und dem Finanzministerium den fünftgrößten Baufinanzierer des Landes, Northern Rock,
mit einem Notfallkredit von rund 20 Mrd. Pfund retten. Seither halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch andere britische Großbanken in akute Liquiditätsnot geraten könnten.
Am vergangenen Freitag stand wieder einmal Barclays
im Mittelpunkt der Spekulationen. An der Börse kursierten unbestätigte Meldungen, wonach das Institut zehn Mrd. Pfund abschreiben müsse, eine Not-Kapitalerhöhung vorbereite und das Top-Management, darunter Vorstandschef John Varley und der Leiter des Investmentbankings Bob Diamond vor dem Rücktritt stünden. Barclays
dementierte die Spekulationen. Die Aktie stürzte dennoch zeitweise um rund neun Prozent ab, und musste kurzzeitig vom Handel ausgesetzt werden.
Jetzt will das Barclays-Management
offenbar in die Offensive gehen. Nach Informationen aus Finanzkreisen will Vorstandschef Varley seine Aktionäre im Rahmen des Zwischenberichts der Bank am 27. November mit detaillierten Informationen zur finanziellen Lage und zu den Auswirkungen der Kreditkrise versorgen. Eventuelle könnte der Bericht wegen der Tumulte auch vorgezogen werden.
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