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HANDELSBLATT, Montag, 12. November 2007, 13:54 Uhr
Markt für Entwicklungsländer

Schutz für arme Länder

Von Susanne Bergius

Eine Absicherung gegen Dürrefolgen: Versicherer tasten sich auf den Markt für Entwicklungsländer vor, die vom Klimawandel besonders betroffen sind. So sollen für Menschen in armen Regionen Anreize geschaffen werden, sich den Klimaveränderungen anzupassen – der Markt für Mikroversicherungen boomt.


BERLIN. Zwar ist dort kurzfristig nicht viel Geld zu verdienen, aber auf diesen Märkten können Geschäftschancen entstehen, wie der in Schwellenländern boomenden Markt für Mikroversicherungen zeigt. Rückversicherer wollen zudem dem Vorwurf vorbeugen, untätig zu sein. „Die Institute treibt eine Mischung aus Reputationsrisiko-Vorsorge, Verantwortung und chancenorientiertem Beackern neuen Geländes“, sagt Christoph Bals, politischer Direktor von Germanwatch, einer so genannten Nichtregierungsorganisation. Dabei strebt die Assekuranz Kooperationen mit öffentlichen Trägern wie den Vereinten Nationen (Uno) an.

So wurde kürzlich über eine „Afrika-Klimaversicherungs-Fazilität“ in Berlin diskutiert. Den Vorschlag hatte die Munich Climate Insurance Initiative (MCII) gemacht, die 2005 unter anderem von Münchener Rück, dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, der Weltbank und Germanwatch ins Leben gerufen worden war. Die Gruppe will Versicherungen für Schäden durch Wetterkatastrophen entwickeln sowie für die Menschen in armen Regionen Anreize schaffen, sich dem Klimawandel anzupassen – zum Beispiel Nahrungsmittel-Notrationen zu lagern, verschiedene Arten Saatgut zu verwenden oder umweltverträglich Bewässerungsmethoden einzuführen. Die Münchener Initiative will solche Angebote in das Umweltschutzabkommen von Kyoto einbinden, um die Verursacher von Treibhausgasen an den Kosten zu beteiligen – etwa über Abgaben für den Flugverkehr. Dies erfordert aber noch langwierige internationale Verhandlungen.

Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft
Chart: Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft
Analystenmeinung

So lange wollen aber nicht alle Versicherer warten. Seit September bietet etwa die Swiss Re eine Dürreabsicherung in Form von Wetterderivaten für Kleinbauern in Afrika. Das auf der Nordhalbkugel zum Risikoschutz für Landwirte und Energiefirmen genutzte Verfahren übertragen die Schweizer auf Schwellenmärkte, gemeinsam mit dem Earth Institut der Columbia University in New York und der „Millennium Promise Alliance“. Dies ist eine gemeinnützige Organisation, die ein Uno-Projekt unterstützt. Das so genannte Millennium-Projekt soll zwölf afrikanischen Dörfergruppen helfen, sich aus der Armutsfalle zu befreien. Ziel ist, dass dieses selbst für die ärmsten, abgelegensten Dörfer binnen fünf Jahren möglich ist.

Die Swiss Re sichert zunächst drei Millenium-Dorfgruppen mit 150 000 Menschen in Kenia, Mali und Äthiopien gegen extreme Dürre ab. Die Deckung von zwei Mill. Dollar soll die Bildungs-, Gesundheits-, Landwirtschafts- und Entwicklungsprojekte der Millennium Promise Alliance für diese besonders von Dürre, Armut und Aids betroffenen Dörfer absichern. Im Schadenfall entscheidet die Organisation, wie das Geld genutzt wird. Die Kosten der Absicherung sind nicht zu erfahren; Millennium Promise übernahm die Prämien „mit Unterstützung der Swiss Re“, wie es heißt.

Dies ist der erste Baustein für das Ende September ankündigte „Klimaanpassungsprogramm“ der Swiss Re. Es soll in einer ersten Phase alle 400 000 Menschen der zwölf afrikanischen Millennium-Dörfergruppen in Äthiopien, Ghana, Kenia, Malawi, Mali, Nigeria, Ruanda, Senegal, Tansania und Uganda gegen finanzielle Folgen starker Dürre absichern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Art Entwicklungshilfe.


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