Wer sein Geld in den vergangenen fünf Jahren bei einer Bank in Skandinavien oder Deutschland angelegt hat, ist fein raus: Im Durchschnitt und über alle Produkte hinweg haben Institute aus diesen Ländern für ihre Kunden die vergleichsweise besten Renditen erwirtschaftet. Unter anderen Gesichtspunkten sieht es für deutsche Institute hingegen weniger rosig aus.
ZÜRICH. Dies ist ein Ergebnis der gestern erschienenen internationalen Studie zum Private Banking, die die Universität Zürich zum dritten Mal herausgegeben hat. Ein Wissenschaftsteam um die beiden Professoren Teodoro Cocca und Hans Geiger hat darin die Wettbewerbsfähigkeit von 253 Banken aus elf Ländern untersucht. Neben der Anlagerendite werden auch andere Aspekte analysiert, die vor allem Aktionäre der einzelnen Banken und deren Mitarbeiter interessieren dürfte. Dabei geht es um Kriterien wie Profitabilität, Größe und Wachstum. Unter diesen Gesichtspunkten halten sich laut Studie – die nach Auskunft von Autor Cocca nicht von eidgenössischen Banken finanziert wurde – die Vermögensverwalter aus der Schweiz am besten. Auf der anderen Seite sind die Gebühren, die die Banken für die Vermögensverwaltung erheben, seit der ersten Untersuchung vor vier Jahren gestiegen. Sie betragen jetzt durchschnittlich 1,1 Prozent.
Während die deutschen Institute in der Disziplin Anlagerendite vorne rangieren, schneiden sie aus Aktionärssicht schlecht ab. Die Margen sind niedrig, das Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag ist hoch. „Die Deutschen sind diplomatisch ausgedrückt im mittleren Hinterfeld“, stellt Cocca fest. In diesen Disziplinen seien dagegen die „Schweizer Privatbanken noch immer das Maß der Dinge.“ Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Margen in der Betreuung vermögender Privatkunden sinken, allerdings können sich die Banken in der Schweiz, Liechtenstein und Skandinavien gegen diesen Trend stemmen.
» Lesen Sie selbst: Die internationale Studie zum Private Banking der Universität Zürich
Weil in der Schweiz weltweit gesehen noch immer das meiste ausländische Vermögen verwaltet wird, halten die Vermögensverwalter in dem Land auch nach wie vor die Spitzenstellung, was die Höhe des verwalteten Geldes anbelangt. Umgerechnet auf den Mitarbeiter erwirtschaften sie damit den höchsten Gewinn. Er liegt mit rund 260 000 Franken (180 000 Euro) um ein gutes Drittel über dem, was in Deutschland verdient wird. Mit UBS und Credit Suisse stellen die Schweizer die Nummer eins und drei auf der Liste der größten Vermögensverwalter, wobei das nicht unbedingt ein Vorteil ist. Die Wissenschaftler kommen nämlich zu dem Schluss, dass die großen Banken nicht schneller als die kleinen wachsen. Skalenvorteile bringen für das Wachstum offenbar nicht mehr als die beweglichere und effizientere Strategie einer kleinen Bank.
Viel Geld lassen sich die Schweizer ihr Offshore-Geschäft kosten. Die Studie zeigt, dass die Schweizer im Ausland zwar besonders aktiv sind, aber die Wachstumsraten dort mit 1,8 Prozent im zweiten Halbjahr 2006 deutlich unter jenen gut vier Prozent Wachstum im Heimatmarkt liegen.
Beruhigend unter den Vorzeichen der Krise an den Finanzmärkten ist die Eigenkapitalausstattung der Schweizer Banken, die durchweg höher ist als bei Instituten in anderen Ländern. Mit diesem Argument hat die Eidgenössische Bankenkommission in den vergangenen Wochen immer wieder darauf hingewiesen, dass die Krise am Finanzmarkt die Schweizer Banken zwar trifft, sie aber nicht in ihrer Existenz gefährdet.

