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22.12.2007 
Krise der WestLB

Last Exit Hessen

von Peter Köhler

Drama, Krimi, Schmierenkomödie: Fast schon hilflos suchen Kommentatoren in diesem Jahr nach immer neuen Formulierungen für die Krise der WestLB. Seit Monaten geht die einst stolze Bank unsicheren Zeiten entgegen. Nun ist es sicher, dass sie ihre Selbstständigkeit verspielt hat.

Eine Verbindung mit der Helaba soll die kriselnde WestLB retten. Foto: APLupe

Eine Verbindung mit der Helaba soll die kriselnde WestLB retten. Foto: AP

FRANKFURT. Es war ein kleiner Kreis von Verschworenen, die den Coup in dreimonatigen Geheimgesprächen einfädelten. Nur die engsten Vertrauten der CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und Roland Koch sowie ihrer Finanzminister und die Berater der US-Investmentbank Citigroup waren in die „Befreiungsaktion“ für die WestLB eingeweiht. Am 12. Dezember war die Überraschung perfekt. Die NRW-Landesregierung präsentierte im westfälischen Münster den verdutzten Sparkassen als Mehrheitseigentümern der WestLB eine „Zehn-Punkte-Erklärung“ – mit der Sensation im vorletzten Punkt: „Im Rahmen der weiteren strategischen Optionen befürworten darüber hinaus alle Anteilseigner der WestLB die Aufnahme detaillierter Gespräche für einen Zusammenschluss zwischen WestLB und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).“

Der Düsseldorfer Fusionskurs in Richtung Frankfurt setzt einen vorläufigen Höhepunkt unter den beispiellosen Machtkampf um die Zukunft der drittgrößten Landesbank. Drama, Krimi, Schmierenkomödie – fast schon hilflos suchen Kommentatoren in diesem Jahr nach immer neuen, knalligeren Formulierungen, um die Krise der einst stolzen Bank angemessen beschreiben zu können.

Auslöser des Abstiegs waren Wetten in Milliardenhöhe auf die Kursdifferenzen zwischen Stamm- und Vorzugsaktien von VW, BMW und Metro. Der Bereich „Relative Value Trading“ baute spätestens seit Ende 2003 riesige Positionen auf und verdiente zunächst gutes Geld. Weil das normale Bankgeschäft nicht genug Ertrag abwarf, mussten die Kapitalmarktexperten in kleinen Nischen das ganz große Rad drehen. „Mangels ausreichendem Mittelstands- und Privatkundengeschäft verspürt die WestLB weniger Rückenwind im Kreditgeschäft als andere deutsche Banken“, sagt Harm Semder, Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Durch die Spekulation an der Börse saß die Bank im August 2006 nach internen Vermerken beispielsweise auf einem Handelsbestand an BMW-Vorzugsaktien von 1,1 Mrd. Euro, das waren mehr als 92 Prozent der frei umlaufenden Titel. Im Stillen versuchte die Bank, ihr „Klumpenrisiko“ schrittweise zu beseitigen, aber im Frühjahr 2007 geht die Rechnung endgültig nicht mehr auf. Der Einstieg von Porsche bei VW über den Erwerb von Stammaktien lässt die Kursdifferenz auseinanderlaufen, die Abstände zwischen Stämmen und Vorzügen werden größer und nicht kleiner, wie die WestLB spekuliert hatte.

Anfang April liegen die Nerven blank, der Vorstand wirft dem Geschäftsbereichsleiter Friedhelm Breuers vor, Limits nicht eingehalten zu haben. Die Bank erstattet am 10. April Strafanzeige „wegen des Verdachts der Untreue“ und möglicher Insidergeschäfte. Zuvor war durch einen Bericht in der „Financial Times Deutschland“ das Dilemma der Bank öffentlich geworden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Das ist der wahre Kampf hinter den Kulissen.“

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