Den europäischen Investmentbankern wird nur wenig Zeit bleiben, ihre Boni zu feiern. Für 2007 schütten die Geldhäuser zwar trotz Kreditkrise noch einmal Rekordsummen aus. Doch glaubt man Analysten, dann bereiten die Institute gleichzeitig die nächste große Entlassungswelle vor.
LONDON. Damit würde den Finanzzentren in Europa ein ähnliches Schicksal drohen wie der Wall Street, wo die Großbanken bereits massiv Stellen streichen. Auch bei der Deutschen Bank könnten laut einer neuen Studie von JP Morgan deutlich mehr Jobs auf dem Spiel stehen als bislang bekannt.
Die Experten des US-Hauses glauben, dass die europäischen Großbanken wegen der Kreditkrise in diesem Jahr rund zwölf Prozent ihrer Stellen im Investment-Banking streichen müssen. Bei der Deutschen Bank sieht Analyst Kian Abouhossein 2 600 Stellen auf der Kippe. Bislang hat das Frankfurter Institut lediglich den Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen angekündigt. Für die Schweizer Großbank UBS sagt JP Morgan 2 500 Arbeitsplätze weniger voraus, und bei der von einem milliardenschweren Handelsskandal erschütterten Société Générale müssten 1 650 Mitarbeiter um ihren Job fürchten.
Die düsteren Prognosen begründet JP Morgan mit einer „Minirezession“ im Investment-Banking. Die Schnitte seien nötig, um den Kollaps des Marktes für strukturierte Kreditprodukte und Finanzierungen sowie einen Einbruch der Einnahmen im Beratungsgeschäft vor allem bei der Betreuung von Fusionen und Börsengängen auszugleichen. Die internationalen Investmentbanken haben einen vier Jahre langen Boom hinter sich, mit einer Flut von Rekorden quer durch alle Geschäftsbereiche.
Auch 2007 war für die meisten Sektoren noch einmal ein Rekordjahr. Allerdings sorgte der Ausbruch der Kreditkrise im vergangenen Sommer bei einigen Instituten für eine schmerzliche Vollbremsung. So musste die Schweizer Großbank UBS zwölf Mrd. Euro für Subprime-Verluste abschreiben und für 2007 ein Minus in der Bilanz von 2,7 Mrd. Euro verkraften.
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