0 Bewertungen
15.02.2008 
Werben um Fusion mit BayernLB

Finanzkrise trifft LBBW hart

von Peter Köhler

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rutscht immer tiefer in die Finanzkrise. Verwaltungsratsvorsitzender Peter Schneider stellte am Freitag nicht in Abrede, dass sich die Gesamtbelastungen für die Bank auf voraussichtlich rund 1,1 Mrd. Euro belaufen.

Das Logo der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Foto: dpaLupe

Das Logo der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Foto: dpa

STUTTGART. Nach einer Pressekonferenz sagte Schneider auf Anfrage: „Man kann so rechnen.“ Von den 1,1 Mrd. Euro entfallen etwa 700 Mill. Euro auf die Neubewertungsrücklage, die sich nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung der Bank niederschlägt. Trotzdem müsse unter dem Strich mit einer Halbierung des Jahresergebnisses gerechnet werden, sagte Schneider. Zuletzt hatte die größte deutsche Landesbank auf Basis des internationalen Bilanzierungsstandards IFRS ein Konzernergebnis von 300 Mill. Euro für das Geschäftsjahr 2007 in Aussicht gestellt. Eine Vergleichszahl für 2006 hatte der Vorstand nicht mitgeteilt. Ob die Vergleichzahl für 2006 rund 600 Mill. Euro sind, blieb offen. Die gesamte Wertpapierbasis, die von Bewertungsfragen betroffen sei, bezifferte Schneider auf 90 Mrd. Euro. Die LBBW hat ein vorläufiges Zahlenwerk für die erste Märzhälfte angekündigt.

Schneider ist auch Präsident des Sparkassenverbandes in Baden-Württemberg, dem 35,6 Prozent der Landesbank gehören. Angesichts der „von Woche zu Woche schwieriger werdenden Kapitalmärkte“ sprach sich Schneider vehement für Fusionen unter den öffentlich-rechtlichen Banken aus. Dabei zeigte er eine Präferenz für ein Zusammenrücken mit der Landesbank in München. „Wenn wir frei wählen könnten, wären es wohl die Bayern, mit denen wir zusammengehen würden“, erklärte Schneider. Allerdings müsse man zuerst die Hausaufgaben bei der zu übernehmenden SachsenLB und der Tochter Landesbank Rheinland-Pfalz erledigen. „Da haben wir 2008 satt zu tun“, sagte der Sparkassenchef.

Zuletzt hatte die BayernLB eingeräumt, dass sie von der Finanzkrise mit insgesamt 1,9 Mrd. Euro belastet wird. Mittlerweile haben sich der Freistaat in Person von Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber und Vorstandschef Werner Schmidt über die Situation und Informationspolitik der Bank offenbar tief zerstritten. Es wurde am Freitag in Eigentümerkreisen nicht mehr ausgeschlossen, dass Schmidt bei der nächsten Verwaltungsratssitzung Anfang März zum vorzeitigen Rücktritt gedrängt wird. Sein Vertrag läuft bis zum Jahr 2011.

Besorgt zeigte sich Schneider auch über die Lage der WestLB. Auch nach der Abschirmung der Risiken in einer Zweckgesellschaft verfügten die Düsseldorfer immer noch nicht über ein tragfähiges Geschäftsmodell. Eine stärkere Kooperation mit den Sparkassen bringe kaum höhere Erträge und das Mittelstandsgeschäft sei derzeit „äußerst mühsam.“ Man verfolge die Sanierung der WestLB sehr aufmerksam, weil die Bank über den gemeinsamen Haftungsverbund auch für die Stuttgarter ein Problem werden könnte. Die Sparkassen in Deutschland brauchten zwar eine leistungsfähige Landesbank, aber im Zweifel eben auch nur eine und nicht sieben. Die WestLB ist durch die Subprime-Krise schwer gezeichnet, die Eigentümer haben eine Kapitalspritze von zwei Mrd. Euro zur Abdeckung von Fehlbeträgen und Drohverlusten bereitgestellt. Weitere Ausfallrisiken von drei Mrd. Euro deckt das Land NRW über eine Garantie ab.

Für die Sparkassen werde 2008 ein Jahr der „Strategiediskussion“. Der Abschwächung bei den Betriebsergebnissen könne man nicht tatenlos zusehen, sagte Schneider. Die 55 Sparkassen in Baden-Württemberg verzeichneten 2007 einen Rückgang beim Betriebsergebnis vor Risikovorsorge auf 1,4 (1,6) Mrd. Euro. Das Verhältnis von Kosten zu Ertrag verschlechterte sich auf 62 (60) Prozent. Um einen Euro zu verdienen mussten 62 Cents aufgewendet werden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige