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27.02.2008 
Generalversammlung

UBS-Chef Ospel versucht es mit Churchill

von Oliver Stock

Kein Zweifel: Die Schweiz erlebt heute einen der bestbesuchten Wirtschaftsgipfel ihrer Geschichte. Auf der außerordentlichen Generalversammlung der Großbank UBS steht Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel im Mittelpunkt. Wegen der hohen Abschreibungen infolge der Subprime-Krise zieht er heftige Kritik von Anlegern auf sich. Es geht turbulent zu.

UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel steht in der Kritik. Foto: apLupe

UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel steht in der Kritik. Foto: ap

BASEL. Zürich Hauptbahnhof, Gleis 14, pünktlich um 7.56 Uhr: Der Sonderzug nach Basel rauscht von dannen. Er befördert UBS -Aktionäre zur außerordentlichen Generalversammlung der Schweizer Großbank, bei der es um alles oder nichts geht. Anderthalb Stunden später, Autobahnabfahrt Basel, St. Jakob: Der Rückstau reicht zwei Kilometer auf die Autobahn. Einige Fahrer trommeln ungeduldig aufs Lenkrad. Die Generalversammlung beginnt in 30 Minuten.

Die nüchterne Betonarena in Basel ist bis auf den letzten Platz besetzt. 6 500 Aktionäre sind gekommen, dazu 170 Journalisten, auch Al Jazira hat sich gestern noch angemeldet. Die meisten haben ein kleines Papiersäckchen am Arm baumeln, in dem die Bank ihnen Verpflegung mitgegeben hat: Zwei Schinkensandwiches, einen Kuchen, eine Banane, Apfelschorle. Die Zeiten, in denen es warmes Essen für Aktionäre gegeben hat, sind vorbei. Ein Dolmetscherin übersetzt jedes Wort, das vorn am breiten Pult an der Längsseite der Sporthalle gesprochen wird, in Gebärdensprache.

Am Rednerpult steht Marcel Ospel, Verwaltungsratspräsident der UBS, die Haare frisch geschnitten, die Augen hinter der Brille noch schmaler als sonst zusammengekniffen. Es geht heute auch um seine Zukunft an der Spitze des weltgrößten Vermögensverwalters, der sich in seinem Investmentbereich derart verspekuliert hat, dass er inzwischen mehr als 13 Mrd. Euro in den Sand gesetzt hat und das vergangenen Jahr zum ersten Mal in seiner Geschichte mit einem happigen Verlust abschließen musste.

Ospel hat sich schon seit Wochen auf seine Rolle festgelegt. Er ist der Märtyrer, derjenige, der die Verantwortung übernimmt, aber das sinkenden Schiff jetzt nicht verlassen will, sondern es nun erst recht wieder flott machen will. Er spricht heute zunächst in der Mehrzahl von sich und Entscheidungen, die unter seiner Führung gefällt worden sind. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, die Marktsignale im amerikanischen Immobilienmarkt frühzeitig zu erkennen." Schließlich wird er persönlich: "Ich habe Verständnis dafür, dass in einer solchen Situation Konsequenzen gefordert werden."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Biedermann ringt mit Ospel

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