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12.03.2008 
Norddeutsche Landesbank

NordLB wird Großaktionär wider Willen

von Frank Matthias Drost und Sönke Iwersen

Die Norddeutsche Landesbank sitzt auf mehr als 13 Millionen Aktien, die sie gar nicht haben will. Wie die Bank dem Handelsblatt bestätigte, hat sie die Papiere im Auftrag eines Kunden erworben. Zum Zeitpunkt des Kaufs hatten sie nach Handelsblatt-Berechnungen einen Wert von mehr als 100 Mill. Euro. Getätigt wurden die Käufe größtenteils bereits 2007. Nun aber wolle der Kunde die Aktien nicht bezahlen. Die Norddeutsche Landesbank ist damit wider Willen zum Großaktionär bei mehreren deutschen Mittelständlern geworden.

Der Eingangsbereich der NordLB in Hannover. Foto: PRLupe

Der Eingangsbereich der NordLB in Hannover. Foto: PR

DÜSSELDORF. Wie aus börsenpflichtigen Mitteilungen der NordLB hervorgeht, handelt es sich bei den fraglichen Unternehmen um Balda, Curanum und Euromicron. Am Handyzulieferer Balda hält die NordLB nun 15,5 Prozent. Der Anteil am Altersheimbetreiber Curanum beträgt 13,1 Prozent. Der Netzwerkanbieter Euromicron gehört der NordLB zu 20,2 Prozent. Die Aktienkurse aller drei Unternehmen sind seit dem Kauf durch die Landesbank stark gefallen. Die Bank hat für die bis Anfang März aufgelaufenen Kursverluste bereits Rückstellungen in Höhe von 82,5 Mill. Euro gebildet. Da die Titel jedoch seitdem weiter eingebrochen sind, könnten die Verluste noch höher ausfallen.

Die Landesbank konnte auf Anfrage nicht erklären, wie sie in diese Lage geraten ist. "Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit dem Kunden", sagte ein Sprecher. Dagegen bestätigte er, dass die Bank bereits personelle Konsequenzen gezogen hat: "Der für diese Aktientransaktionen zuständige Händler ist wegen interner Regelverstöße und Kompetenzüberschreitungen fristlos entlassen worden." Warum die Bank selbst ins Risiko ging, blieb allerdings offen. Unklar ist auch, ob der Kunde die Aktien wegen des Wertverlustes einfach nicht kaufen will, oder sie aus Zahlungsschwierigkeiten nicht kaufen kann.

Zu Identität des Kunden machte die NordLB keine Angaben. Aus Finanzkreisen sowie aus Aktionärskreisen der betroffenen Unternehmen verlautete jedoch, dass es sich hier um den Finanzinvestor Vatas handelt - den deutschen Investmentarm des südafrikanischen Großunternehmers Robert Hersov. Der Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Vatas Holding ist Lars Windhorst.

Windhorst machte in den 90er Jahren der als Jungunternehmer Furore, hinterließ jedoch bei einer Privatinsolvenz 2007 einen großen Schuldenberg. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Windhorst wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Betrug und Kursmanipulation. Zum Thema NordLB wollte Windhorst nichts sagen. Auch eine schriftliche Anfrage bei Vatas, ob das Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten habe, wurde nicht beantwortet.

Fest steht, das Vatas beziehungsweise die Muttergesellschaft Sapinda an allen drei fraglichen Mittelständlern bereits wesentliche Aktienpakete hält. So besitzt Sapinda 8,4 Prozent an Balda, Vatas hat an einen Anteil von 17,9 Prozent an Curanum und 11,3 Prozent an Euromicron gemeldet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Worüber die Bankenszene nun rätselt

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