Die drittgrößte US-Bank JP Morgan
Chase übernimmt die ins Trudeln geratene Investmentbank Bear Stearns.
Der Kaufpreis von 236 Millionen Dollar liegt weit unter dem Börsenwert vom Freitag. Angesichts einer drohenden Verschärfung der Finanzkrise hat die US -Notenbank
die Transaktion mit einer Risikoübernahme in Höhe von 30 Mrd. Dollar (18,9 Mrd. Euro) abgesichert.
Käufer gefunden - die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns wird von JP Morgan übernommen. Foto: Reuters
HB NEW YORK. Der Kauf soll über einen Aktientausch erfolgen, teilte JP Morgan
Chase am Sonntagabend (Ortszeit) in New York mit. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten dem Vorschlag zugestimmt. Man sei bereit, Bear-Stearns-Anteile gegen 0,05473 eigene Aktien zu tauschen. Auf Basis des Schlusskurses vom vergangenen Freitag ergebe dies einen Preis von rund zwei Dollar pro Aktie. Am vergangenen Freitag schloss die Aktie in New York bei 30,85 Dollar, nach einem Verlust von 45 Prozent an diesem Tag. Noch Anfang 2007 notierte die Aktie bei 171 Dollar.
Die Aktionäre müssen dem Kauf noch zustimmen. Bear Stearns
war als bisher prominentestes Opfer der Finanzkrise in Not geraten.
Mit sofortiger Wirkung übernehme JPMorgan Chase die Handelsverpflichtungen von Bear Stearns
und ihrer Tochtergesellschaften sowie die Aufsicht über sämtliche Operationen des Managements, hieß es in der Mitteilung des Bankhauses. Die Transaktion solle bis Ende des zweiten Quartals 2008 abgeschlossen sein. Die US-Zentralbank habe im Zusammenhang mit der Übernahme Sonderfinanzierungen zugesagt und zugestimmt, Bear Stearns
mit bis zu 30 Mrd. Dollar zur Sicherung der Liquidität zu stützen.
"JP Morgan Chase
steht hinter Bear Stearns", sagte Konzernchef Jamie Dimon. "Bear Stearns Kunden und Vertragspartner sollten sich sicher fühlen, dass JP Morgan
für Bear Stearns
Vertragsrisiken garantiert. Wir heißen ihre Kunden, Vertragspartner und Angestellten in unserer Firma willkommen, und wir sind froh, ihr Partner zu sein." JP Morgan
beschäftigt rund 180 000 Menschen.
Bear Stearns
Am Sonntag war zudem bekanntgeworden, dass ein erst im vergangenen Jahr vereinbarter milliardenschwerer Einstieg des größten chinesischen Brokerhauses CITIC Securities zu platzen droht. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtete, könne das Unternehmen ein Zustandekommen des Geschäfts "nicht garantieren". Es sei kein "formelles Abkommen" unterzeichnet worden. Der chinesische Broker, der zur staatlichen China International Trust & Investment Corp. gehört, hatte im Herbst seinen Einstieg mit sechs Prozent bei Bear Stearns
für eine Milliarde Dollar angekündigt. Im Gegenzug wollte sich Bear Stearns
an dem Geschäft der Chinesen beteiligen.
Offensichtlich wurde die Krise bei Bear Stearns
erstmals im vergangenen Sommer, als zwei Hedge-Fonds der Bank im Zusammenhang mit dem Kollaps am US-Hypothekenmarkt zusammenbrachen. Für das vierte Quartal musste die Bank erstmals in ihrer Geschichte einen Verlust ausweisen. Wegen fauler Kreditpapiere bereinigte Bear Stearns
schließlich im gesamten Geschäftsjahr 2007 (30. November) Wertverluste von 1,9 Mrd. Dollar. Der Gewinn brach auf 233 Mill. Dollar ein, nach 2,1 Mrd. Dollar im Vorjahr.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: US -Notenbank Fed greift ein - Furcht vor böser Osterüberraschung an den Börsen

