Im Rennen um die Postbank zeichnen sich für die Allianz die besten Chancen ab.
FRANKFURT. Der Münchener Finanzkonzern mit seiner Tochter Dresdner Bank habe beim Mehrheitseigner Post und in Teilen der Bundesregierung derzeit „die besten Karten“, hieß es in Finanzkreisen. Zudem sei die Allianz Wunschpartner der Postbank. Auch in Aufsichtsratskreisen der Postbank teilt man die Einschätzung, dass unter den inländischen Interessenten die Allianz der bevorzugte Kandidat ist.
Allianz-Chef Michael Diekmann hat Interesse an der Postbank signalisiert – und offenbar schon Vorbereitungen getroffen. Denn Branchenexperten werten die gerade erst beschlossene Aufspaltung der Dresdner Bank als ersten Schritt für einen Zusammenschluss. Deutsche Bank und die Commerzbank haben allerdings ebenfalls sehr deutlich Ansprüche auf die Bonner Postbank erhoben. Post, Postbank, Allianz und Dresdner Bank lehnten eine Stellungnahme ab.
Bei einem Zusammenschluss von Dresdner und Postbank entstünde mit 21 Mill. Kunden die mit Abstand größte Filialbank Deutschlands. Allerdings ist noch keine Entscheidung gefallen. Als sicher gilt, dass der Bund die entscheidende Rolle spielen wird, wenn es um den Zuschlag geht, da er der größte Einzelaktionär der Deutschen Post ist.
Bis vor einigen Wochen hatte das Finanzministerium Insidern zufolge noch die Commerzbank favorisiert. Mittlerweile werde aber vermehrt die Frage gestellt, ob die Nummer zwei des Marktes vor dem Hintergrund der Finanzkrise überhaupt einen Kauf der Postbank stemmen könnte, hieß es. Zudem bestehe bei Post und Bund die Sorge, dass ein fusioniertes, großes Privatkundeninstitut selbst zum Ziel eines ausländischen Instituts werden könnte. Die Commerzbank kostet an der Börse aktuell gerade einmal gut elf Mrd. Euro und wird damit kaum höher bewertet als die Postbank. Die Allianz kommt hingegen nach wie vor auf mehr als 50 Mrd. Euro Börsenkapitalisierung.
Ein Verkauf der Postbank an Ausländer gilt als so gut wie ausgeschlossen. So hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dafür plädiert, darauf zu achten, wie man neben der Deutschen Bank hierzulande „eine weitere leistungsfähige Bank installieren kann“. Der Verkauf der Postbank soll Finanzkreisen zufolge bis spätestens Jahresende unter Dach und Fach sein. Seit Monaten führe die Postbank bereits informelle Sondierungsgespräche mit Allianz und Commerzbank.
Für die Postbank bietet die Dresdner viele Vorteile. Die Bonner wären der größere Partner, wahrscheinlich würden das Dresdner-Privatkundengeschäft an die Plattform der Postbank angedockt. Für eine solche Lösung hat sich Postbank-Chef Wolfgang Klein grundsätzlich ausgesprochen. Darüber hinaus hätte das Szenario mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für ihn Vorteile. Selbst im Allianz-Konzern werden dem Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter nur noch wenig Chancen auf den Chefsessel eines fusionierten Instituts eingeräumt. „Walter dürfte nicht oben auf der Liste stehen“, hieß es.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Völlige Verunsicherung bei der Dresdner Bank

