Angesichts nicht endender Belastungen aus der Finanzkrise plädieren immer mehr Banken für eine Lockerung bei der Bilanzierung. Sie stellen die Praxis der marktnahen Bewertung von Finanzinstrumenten infrage. Aareal-Bank-Chef Wolf Schumacher wurde jetzt sehr deutlich.
FRANKFURT. "Sie machen hier gute Banken mit gutem Kerngeschäft kaputt", kritisierte Schumacher am Freitag. Denn die an Marktpreisen orientierte Bewertung von Kreditderivaten führe "ins Absurde", wenn der Markt ausgetrocknet sei und Nachfrage fehle. Ähnlich hatte sich am Vortag Georg Funke vom Münchener Rivalen Hypo Real Estate geäußert.
Gemäß den internationalen Bilanzierungsregelen müssen die meisten der strukturierten Finanzinstrumente zum Marktpreis in den Büchern angesetzt werden. Wegen des Vertrauensverlustes der Anleger in eben diese Produkte existiert aber häufig kein Preis mehr - so dass die Banken zum Teil mit Milliardenverlusten konfrontiert sind.
Dabei sind die meisten der betroffenen Instrumente bislang weit von einem Ausfall entfernt. Werden die Papiere abbezahlt, kommt es am Ende der Laufzeit wieder zu Buchgewinnen. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die gängige Praxis bereits in Frage gestellt. Und Banken-Präsident Klaus-Peter Müller plädiert dafür, den Instituten rückwirkend zu erlauben, die Marktbewertung auszusetzen.
Allerdings gibt es auch Banker, die vor einer Aufweichung warnen - wie etwa Eurohypo
-Chef
Bernd Knobloch. Dies gelte selbst dann, wenn das Vorgehen kurzfristig zu "schmerzhaften und falschen" Bewertungen führe. In Boom-Zeiten habe sich hierüber schließlich auch niemand beschwert, so sein Fazit.

