Die Börsenkapitalisierung internationaler Großbanken ist auf den niedrigsten Stand seit über fünf Jahren gesunken. Die Hälfte aller Banken in Europa ist inzwischen auf eine Börsenkapitalisierung gesunken, die unter dem bilanzierten Eigenkapital liegt. In Deutschland ist die Situation noch schlimmer.
Nachrichten von neuen Bankabschreibungen verunsichern Marktteilnehmer immer wieder: Hier beobachtet ein New Yorker Händler einen Einbruch des Dow Jones im August letzten Jahres.
DÜSSELDORF. Berechnungen des Handelsblatts zeigen: Mit Ausnahme der Postbank, deren Kurs seit Wochen von Übernahmefantasien profitiert, notieren alle großen Bankaktien in der Nähe ihres Buchwerts oder sogar darunter.
Ursache für die ungewöhnlichen Abschläge in der Börsenbewertung sind Ängste vor weiteren Milliardenabschreibungen im Zuge der amerikanischen Immobilienkrise. Das Verhältnis zwischen Börsenkapitalisierung und Buchwert gilt bei Banken als wichtiges Beurteilungskriterium für die Einschätzung ihres Zukunftspotenzials. Der Buchwert einer Bank entspricht in etwa dem Eigenkapital. Er ergibt sich aus der Summe der Vermögensbestände abzüglich der Verbindlichkeiten.
Das Problem dabei für Kapitalanleger: Der aktuelle Buchwert einer Bank basiert stets auf der Bilanz des gerade abgelaufenen Quartals. Er sinkt, sobald sich das Vermögen der Konzerne aufgrund von Abschreibungen verringert. Ein besonders niedriges Verhältnis zwischen Buchwert und Börsenbewertung spiegelt also wider, dass die Märkte weitere massive Abschreibungen und Verluste erwarten.
"Die bewusste oder unbewusste Salami-Kommunikation der Institute erschwert eine objektivierte Bewertung der Unternehmen", sagt der Hamburger Wirtschaftsprofessor Alexander Bassen. Dadurch entstünden derzeit ungewohnt hohe Risiken. Dies quittierten Anleger mit massiven Abschlägen in der Bewertung an der Börse.
So notiert die Commerzbank derzeit bei einem Börsenkurs von 20 Euro nur mit gut drei Viertel ihres Buchwerts pro Aktie. Selbst der Marktführer Deutsche Bank erreichte zuletzt mit 72,40 Euro nicht seinen Buchwert von 78 Euro je Aktie. In normalen Börsen- und Konjunkturzeiten kommen die Anteilsscheine der Finanzkonzerne auf das Doppelte, häufig sogar das Drei- oder Vierfachen ihres Buchwerts.
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