Für die Ratingagentur Standard & Poor?s hat sich der Ausblick für die deutschen Banken weiter eingetrübt. Ein Grund seien die anhaltenden Abschreibungen auf Wertpapiere und Übernahmefinanzierungen vor dem Hintergrund der im Markt vorherrschenden Illiquidität, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.
FRANKFURT. Allerdings geht S&P weiter von einem widerstandsfähigen wirtschaftlichen Umfeld in Deutschland und einer guten inländischen Kreditqualität in diesem Jahr aus. In den USA rechnet S&P mit einer leichten Rezession. Unter dem Strich könnten die Vorsteuer-Ergebnisse der großen deutschen Banken um etwa zehn bis 20 Prozent unter die Gewinne von 2007 fallen. Damit würden die Erträge voraussichtlich unter das Niveau von 2005 rutschen, heißt es bei S&P. "Ausmaß und Dauer der derzeitigen Marktverwerfungen sind derzeit unsere größte Sorge, da sie Erträge, Kapitalausstattung und Refinanzierung deutlich beeinträchtigen", sagt Bankenanalyst Stefan Best.
Wegen ihrer umfangreichen Bestände an strukturierten Wertpapieren, die oft als Ersatz für niedriges Volumenwachstum und niedrige Margen im inländischen Kundengeschäft angesehen wurden, gehörten die deutschen Banken zu den am meisten von der Krise betroffenen Institute. "Im ersten Quartal 2008 sind wahrscheinlich weiterhin sehr schwache Ergebnisse zu verzeichnen. Wir gehen bei den von uns benoteten Banken von Abschreibungen in Höhe von zehn bis 20 Mrd. Euro auf Wertpapierbestände und Engagements bei Firmenübernahmekrediten aus", fügte Best hinzu. Diese werden entweder die Ertragsrechnung oder das Eigenkapital belasten.
Die Wahrscheinlichkeit weiterer negativer Ratingmaßnahmen habe sich in diesem Umfeld erhöht, jedoch würden die Veränderungen zunächst nur moderat ausfallen. Bis Mitte 2007 hätten sich die meisten Finanzprofile - etwa die Kapitalausstattung - der großen deutschen Banken seit der Krise von 2002/2003 verbessert, heißt es zur Begründung.
Die Ungleichgewichte zwischen den verschiedenen Bankengruppen haben sich laut S&P weiter ausgeprägt. Die meisten Landesbanken seien im Vergleich zu Großbanken aus dem Privatsektor in einer schwächeren Position.
Für 2008 geht Standard & Poor?s nicht von Fusionen bei Landesbanken aus. Die Komplexität und Konsequenzen solcher Fusionen seien nicht zu unterschätzen. Sparkassenpräsident Heinrich Haasis meinte gestern in Frankfurt, der "Idealzustand" wäre die Verdichtung zu zwei, maximal drei Landesbanken in den nächsten Jahren. Haasis meldete erneut den Gestaltungsanspruch für die Landesbanken an, weil die Sparkassen oft maßgebliche Eigentümer sind. "Wer als Eigentümer Kapital gibt, muss auch Vorstellungen über die künftige Struktur äußern und durchsetzen können, so Haasis im Union-Club.

