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HANDELSBLATT, Montag, 5. Mai 2008, 12:55 Uhr
Umstrittene Kreditverkäufe

„Kunden sind verunsichert“

Von Nicole Bastian, Peter Köhler und Kora Cora Krause

Die öffentliche Diskussion um den Verkauf von Bankdarlehen hat die Kreditinstitute zum Teil geläutert und nachdenklich werden lassen. Gleichzeitig besteht nun aber die Gefahr, dass der Gesetzgeber mit seiner Initiative über das Ziel hinausschießen könnte. Dies ist die Zwischenbilanz zum Thema "Kreditverkäufe" beim "Frankfurter Gespräch" des Handelsblatts.


Dies ist die Zwischenbilanz zum Thema "Kreditverkäufe" beim "Frankfurter Gespräch" des Handelsblatts. "Viele Kunden sind verunsichert, weil sie Angst vor dem Verkauf ihres Kredits haben", sagte Christian Weber, der bei der Commerzbank den Bereich Retailkredit leitet. Die Branche habe diese Sorgen nicht ernst genug genommen und zu spät reagiert. Auch Sparkassen haben die Ängste ihrer Kunden gespürt. "Wir haben daraus die Lehren gezogen und deutlich gemacht, dass Sparkassen keine ordnungsgemäß bedienten Kredite an Finanzinvestoren verkaufen", betonte Werner Netzel, geschäftsführender Vorstand beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Die Überarbeitung des Rechtsrahmens bei Kreditverkäufen ist derzeit Gegenstand politischer Beratungen in Berlin. Bis zur Sommerpause sollen die Gesetzesänderungen verabschiedet werden. Ein Kritikpunkt war, dass Kunden keine realistische Chance hatten, Darlehen zu erhalten, die nicht an Dritte veräußert werden können. Das Problem hat inzwischen der Markt geregelt, weil es nun solche Angebote gibt. Doch bleibt es aus verbraucherpolitischer Sicht problematisch, wenn ein Finanzinvestor aus einem übertragenen Darlehen schnell wirtschaftliche Vorteile realisieren will. Die Kunden fürchten, künftig stärker von der Zwangsvollstreckung bedroht zu sein als früher.

"Ich finde es wichtig, dass die Bankenbranche möglichst viele Schritte unabhängig vom Gesetzgeber macht", rät Weber von der Commerzbank. Die Bank hatte als erstes Institut eine Preisdifferenzierung beim Kreditverkauf eingeführt. Für einen Zinsaufschlag von 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr versichert die Bank dem Kunden, dass sie seinen Kredit nicht verkauft - auch nicht, wenn er in Zahlungsrückstände kommt. Für nicht bediente Kredite ohne die Zusatzklausel will die Commerzbank aber die Flexibilität des Verkaufs sichern, um ihr Eigenkapital zu entlasten.

Andere Banken wie die ING Diba haben dieses Preismodell bereits kritisiert. "Beim Kunden wird dadurch der Eindruck erweckt, man wolle durch den höheren Zinssatz aus einer Selbstverständlichkeit Kapital schlagen", sagte Anwalt Julius Reiter von der Kanzlei Baum, Reiter & Collegen. Auch Netzel steht der Preisdifferenzierung skeptisch gegenüber: "Ich glaube nicht, dass sich Preise dafür durchsetzen lassen, dass eine Bank den Kredit nicht verkauft." Für anständiges Verhalten verlangten Sparkassen keine Extra-Gebühr. Allerdings beziehen sich die Versicherungen der meisten Banken - so auch der Sparkassen - für einen Nichtverkauf nur auf ordnungsgemäß bediente Kredite. Aufkäufer wie der US-Finanzinvestor Lone Star seien aber gerade auf notleidende Kredite fokussiert, "auch weil für gesunde Kredite von anderen Bietern - meist Banken - strategische Preise geboten werden", sagte Karsten von Köller, Deutschland-Chef von Lone Star. Allerdings packten Banken in manchen Fällen auch gesunde Darlehen in große Portfolien.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Welche Punkte die Gemüter erhitzen.


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