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HANDELSBLATT, Freitag, 9. Mai 2008, 11:32 Uhr
Citigroup-Chef stellt heute seinen Zukunftsplan für den Konzern vor

Die vorsichtige Revolution des Vikram Pandit


Erst vier Monate führt Vikram Pandit die US-Großbank Citigroup. Doch für die ungeduldigen Investoren ist es bereits eine Ewigkeit. Nach zahllosen Skandalen, horrenden Verlusten und einem nicht enden wollenden Stühlerücken im Top-Management drängen die Anteilseigner jetzt auf eine neue Vision des Konzernchefs für den taumelnden Bankenkoloss.


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Big in the Citi: Vikram Pandit ist jedoch kein Visionär, sondern ein vorsichtig agierender Technokrat.
Bild vergrößernBig in the Citi: Vikram Pandit ist jedoch kein Visionär, sondern ein vorsichtig agierender Technokrat.

NEW YORK. Pandit ist jedoch kein Visionär, sondern ein vorsichtig agierender Technokrat. Wenn der 51-Jährige heute seinen Aktionären seinen Masterplan präsentiert, wird er wohl keine Revolution verkünden. Bereits vor Wochen hat Pandit den Hoffnungen auf eine Aufspaltung der Citigroup eine Absage erteilt: „Man kann sich keine bessere Basis vorstellen, wenn man heute eine Bank neu aufbauen wollte“, sagte der Citi-Chef dem US-Magazin „Business Week“. Die jüngsten Geschäftszahlen sprechen eine andere Sprache. Citi hat im ersten Quartal noch einmal 16 Mrd. Dollar auf Hypothekenprodukte abgeschrieben, den Abbau von 9 000 Stellen angekündigt und einen Konzernverlust von gut fünf Mrd. Dollar eingefahren. Meredith Whitney, Analystin bei Investmenthaus Oppenheimer in New York, sagt auch für den Rest des Geschäftsjahres rote Zahlen voraus.

Ein Großteil der aktuellen Probleme geht auf das Konto der Finanzkrise. Aber selbst diese Verluste kann Pandit kaum als Schicksalsschlag abtun. Sollte das Allfinanz-Konzept der Citi doch eigentlich dafür sorgen, dass die Bank Probleme in einem Geschäftsfeld durch Zuwächse in einem anderen ausgleichen kann. Stattdessen hat die Krise die Citigroup in fast allen Bereichen getroffen. Die Schäden sind deshalb größer als bei weitaus weniger stark diversifizierten Konkurrenten.

So stellen Analysten und Investoren ganz offen die 1998 vom damaligen Citi-Chef Sandy Weill eingefädelte Fusion zwischen Citicorp und dem Finanzdienstleister Travelers in Frage. Die Einzelteile der Bank seien alleine mehr wert als unter dem Konzerndach. Vor allem das Investmentbanking wird immer wieder als Kandidat für eine Abspaltung genannt. Pandit beharrt dagegen darauf, dass nur eine komplette Kette von Bankdienstleistungen den Kunden heute gerecht werden könne.

Statt eines großen Wurfs plant er viele kleine Schritte. So ist Pandit in den vergangenen Monaten kreuz und quer durch das weltweite Citi-Imperium gereist, um nach Einsparmöglichkeiten zu suchen. Ein Ergebnis seiner Bemühungen: Citi-Mitarbeiter müssen künftig Firmentickets für große Sportereignisse aus eigener Tasche bezahlen. Damit allein jedoch wird Pandit sein Ziel, die Kosten um insgesamt 20 Prozent zu drücken, kaum erreichen. So kursieren an der Wall Street Gerüchte über einen weiteren Stellenabbau. Bis zu zehn Prozent der weltweit 370 000 Arbeitsplätze sollen auf dem Spiel stehen. Außerdem denkt der Citi-Chef offenbar über den Verkauf von Randbereichen nach. Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob die Citigroup ihr Privatkundengeschäft in Deutschland loswerden will.

Auf schnelle Fortschritte sollten die Investoren aber nicht hoffen. Zusammen mit seiner Präsentation startet Pandit heute eine neue Werbekampagne. Der bisherige Slogan „Let's get it done“ soll durch einen Werbespruch aus den 70-er Jahren ersetzt werden: „Citi never sleeps.“


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