AWD
bekommt die Verwerfungen infolge der Finanzmarktkrise weiter deutlich zu spüren. In den Turbulenzen sieht der Finanzmakler aber auch eine Chance. Er ist händeringend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.
HB HANNOVER. Für die Abwerbung von Beratern von der Konkurrenz will das Unternehmen aus Hannover in diesem Jahr bis zu 30 Mill. Euro ausgeben, wie Vorstandschef Carsten Maschmeyer am Mittwoch sagte. Wenn möglich, werde AWD
ganze Teams oder Firmen übernehmen. Der Kauf des zehntgrößten deutschen Finanzvertriebs Proventus sei nur ein erster Schritt. Für die Gewinnung neuer Mitarbeiter nehme AWD
auch Gewinneinbußen in Kauf. Geld spiele keine Rolle.
"Mit unseren finanzstarken Freunden in der Schweiz haben wir sehr große Möglichkeiten", sagte Maschmeyer mit Blick auf den Versicherer Swiss Life, der AWD
kürzlich gekauft hatte. "Unser Hauptziel ist es, am Ende des Jahres mehr Vermittler zu haben." Per Ende März schrumpfte ihre Zahl um 1,5 Prozent.
Die gegenwärtigen Marktturbulenzen sieht Maschmeyer als eine Chance für AWD
. Sie beschleunigten die Marktbereinigung. "Wir profitieren auch davon, dass Banken Leute auf die Straße setzen", sagte er. "Alles, was ausgebildet und lizenziert ist, werden wir bei der Vertriebs-Supermacht AWD
aufnehmen." Zusammen mit den 540 von Proventus übernommenen Beratern, die zuletzt 30 Mill. Euro an Provisionserlösen erwirtschafteten, kommt AWD
künftig auf 6 700 Berater. Den Versicherer Axa
, der 49 Prozent an Proventus hält, will AWD
herauskaufen. AWD
habe dazu bei den Franzosen eine "wohlwollende Haltung" festgestellt, sagte Maschmeyer. Axa
lehnte eine Stellungnahme ab.
Da AWD
als Anhängsel von Swiss Life nicht mehr jedes Quartal seine Investoren überzeugen muss, könne ein schrumpfender Gewinn in Kauf genommen werden, sagte Maschmeyer. Den Umsatz will AWD
in diesem Jahr in diesem Jahr bei etwa 760 Mill. Euro stabil halten, obwohl sich die Kunden wegen der Finanzkrise mit dem Kauf von Altersvorsorgeprodukten und Geldanlagen zurückhalten. Ein Gewinnziel nannte Maschmeyer nicht. Vergangenes Jahr hatte AWD
seine Prognose kurzfristig zurücknehmen müssen.
Im ersten Quartal hinterließen die Marktverwerfungen bei AWD
erneut deutliche Bremsspuren. Angesichts miserabler Geschäfte in Großbritannien und Österreich schrumpften die Erlöse um zwölf Prozent auf 177 Mill. Euro. "Wir sind den psychologischen Folgen der Finanzmarktkrise ausgesetzt", klagte Maschmeyer. Der Betriebsgewinn (Ebit) brach um ein Fünftel auf 18 Mill. Euro ein. Unter dem Strich verblieben mit 13 Mill. Euro 14 Prozent weniger in der Kasse.

