Die italienische Wettbewerbsaufsicht Antitrust ermittelt gegen zehn Banken, die trotz Verbots Gebühren genommen haben, wenn Kunden mit ihrem Immobilienkredit die Bank gewechselt haben. Unter den verdächtigten Instituten ist auch die Deutsche Bank.
MAILAND. Neben Deutschlands größter Bank sind die italienischen Institute Unicredit, Intesa San Paolo, Banca Nazionale del Lavoro, Monte dei Paschi di Siena, Antonveneta, Banca Popolare di Milano, Ubi Banca, Carige und Banca Sella ins Fadenkreuz der Wettbewerbsaufsicht geraten.
Italiens Banken sind bekannt für die hohen Provisionen, die sie ihren Privatkunden in Rechnung stellen. Um den Wettbewerb zu fördern, hat die letzte Regierung unter Romano Prodi im vergangenen Jahr die Gebühren für den Anbieterwechsel beim Immobilienkredit abgeschafft. Doch wie die vielen Beschwerden von Verbrauchern zeigen, halten sich viele Institute nicht an die neuen Regeln. Sie verlangen von den Kunden, die günstigere Konditionen der Konkurrenz wahrnehmen und wechseln wollten, immer noch hohe Gebühren.
Die Banken hätten das neue Gesetz nicht angewendet, erklärte der Antitrust-Vorsitzende Antonio Catricalà. Seine Behörde handele nicht wegen eines Kartells, sondern wegen einer "nicht korrekten Geschäftspraxis". Viele Kunden verzichteten auf den Kredittransfer, weil ihnen die Kosten zu hoch seien.
Der Verbraucherverband Codacons schätzt, dass den Kunden durch die unberechtigt eingenommenen Gebühren ein Schaden von insgesamt 5,9 Mrd. Euro entstanden ist. Eine offizielle Schätzung gibt es jedoch bisher noch nicht. Die Deutsche Bank
wollte sich gestern nicht zu den Vorwürfen äußern.
Analysten rechnen nicht mit großen Auswirkungen für die Banken. "Das Bild ist noch unklar. Aber wir gehen nicht davon aus, dass sich die Ermittlungen maßgeblich auf die Ergebnisse auswirken", sagte ein Analyst in Mailand.
Die Bankenvereinigung ABI hatte bereits vor den Ermittlungen des Antitrusts bekanntgegeben, dass sie einen eigenen Mechanismus entwickelt hat, um den Wechsel der Bank bei Immobilienkrediten zu vereinfachen. Der neue Mechanismus soll nach Angaben der Vereinigung noch Ende dieses Monats greifen.

