0 Bewertungen
26.05.2008 
Interview mit Postbank-Chef Wolfgang Klein

Postbank-Chef rechnet mit Entscheidung bis zum Herbst

von Nicole Bastian und Robert Landgraf

Die Entscheidung über die Zukunft der Postbank dürfte nach Einschätzung ihres Vorstandschefs bis zum Herbst fallen. „Es gibt im Konzern noch andere Prioritäten“, sagte Wolfgang Klein zur Strategie des Postbank-Eigentümers Deutsche Post. Dennoch hofft er, dass er nicht den Jahrestag der seit Herbst 2007 laufenden Diskussion über einen möglichen Verkauf „feiern“ werde.

Postbank-Chef Wolfgang Klein. Foto: APLupe

Postbank-Chef Wolfgang Klein. Foto: AP

Handelsblatt: Die Entscheidung, ob die Post die Postbank verkauft oder nicht, muss doch bald fallen, oder?

Klein: Ja, das wäre schön. Sonst denkt nachher noch jemand, ich wäre frustriert (lacht).

Mittlerweile wird sein gut einem halben Jahr über einen Verkauf diskutiert. Sie haben gesagt, dass die Situation strategische Entscheidungen bremst. Da kann sich die Post doch nicht unendlich viel Zeit lassen ...

Es gibt im Konzern noch andere Prioritäten. Dennoch hoffe ich, dass ich kein Bergfest feiere – ein Jahr der Diskussion.

Gleich mehrere Institute werden als Interessenten gehandelt. Wen würden Sie bevorzugen: einen deutschen oder einen ausländischen Partner?

Wir leben in Europa, wir leben im Euroraum. Da ist es aus meiner Sicht völlig normal, sich auch mit der Frage nach einem europäischen Partner zu beschäftigen. Wenn man ein Assessment macht, dann muss man es breit anlegen. Aber Sie sollten die Frage unserem Hauptaktionär stellen.

Wie viel Mitspracherecht haben Sie in dem Prozess?

Ausreichend.

Wäre für Sie eine Dreierkombination aus Commerzbank, Dresdner und Postbank vorstellbar?

Ich will mich nicht auf die Diskussion verschiedener Modelle einlassen. Im Rahmen des Assessments werden sicherlich verschiedene Möglichkeiten durchgespielt – und zwar nicht nur unter Gesichtspunkten von Kostensynergien.

Apropos Kosten: Kann die Politik im Jahr vor einer Bundestagswahl den Verlust von Arbeitsplätzen, der sich gerade bei einer Dreierkombination ergäbe, überhaupt gutheißen?

Das müssen Sie bitte die Politiker fragen.

Bleibt der Name Postbank AG bei einer Übernahme erhalten?

Davon gehe ich aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine der stärksten Marken, die es im deutschen Privatkundengeschäft gibt, opfert.

Es gibt auch andere starken Marken ...

Da bin ich sehr selbstbewusst, jede Diskussion über das Privatkundengeschäft in Deutschland zu führen. Was wird denn passieren? Nach den Bilanzregeln IFRS wird man einen möglichen Kaufpreis errechnen und die Marke bewerten. Allein dies wird dazu führen, dass die Marke kaum in Frage gestellt werden kann. Alles andere würde mich sehr wundern.

Die Eigenkapitalquote der Postbank ist im ersten Quartal auf 6,7 Prozent gefallen. Das ist nicht gerade üppig. Mal unabhängig davon, ob die Post die Postbank verkauft, ist es nicht irgendwann nötig, für die strategische Entwicklung des Instituts die Kapitalbasis zu stärken?

Strukturell ist unsere derzeitige Kapitalbasis unserem nachhaltig profitablen Geschäftsmodell angemessen. Vor dem Hintergrund möglicher strategischer Wachstumsschritte müsste man sicherlich über eine weitere Stärkung nachdenken.

Wann?

Zur Stunde stellt sich die Frage nicht. Nach der Akquisition der Postfilialen und des BHW Anfang 2006 haben wir unsere Eigenkapitalposition bereits erheblich verbessert – auch durch die Begrenzung der Dividendenhöhe. Auf dieser Basis kann man keine großen Sprünge machen. Wenn das Assessment vorbei wäre und die Konsolidierung im Privatkundengeschäft in Deutschland jetzt käme, dann müsste der größte Spieler im Retailbanking – und das sind wir – auch in der Lage sein, die entsprechenden Möglichkeiten zu nutzen. Ganz klar.

Ist das Thema Kapitalerhöhung auch Thema möglicher Verkaufsverhandlungen?

Ich glaube, dass wir vor folgender Situation stehen: Die Postbank hat sich in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich entwickelt. Und wir müssen uns gemeinsam mit der Post die Frage stellen, wie wir diese positive Entwicklung fortsetzen. Wenn wir allein weiter machen, wäre auch zu diskutieren, wie wir weiter wachsen können – auch durch Zukäufe.

Sie bieten gerade ein Paket von Postbank-Immobilien an. Wollen Sie dadurch die Eigenkapitalbasis aufpeppen?

Das hat damit nichts zu tun. Wir werden da keine großen Buchgewinne realisieren. Das ist einfach nur ein Teil dessen, was wir seit Jahren machen. Wir sagen, als Bank muss man eigentlich keine eigenen Immobilien besitzen. Und das wäre jetzt ein großer Schritt zur Bereinigung unseres Portfolios.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Große Frage

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008, 17:14 Uhr

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige