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12.07.2007 
Inside Private Equity

Heimliche Herrscher

von Brigitte Haacke, Wirtschaftswoche

Blackstone, KKR & Co. rollen die deutsche Wirtschaft auf und bewegen dabei Milliarden. Aber die Manager der Private-Equity-Fonds arbeiten am liebsten im Verborgenen. Wie die verschwiegene Branche denkt, lebt, arbeitet – ein Blick hinter die Kulissen, in die Organisationen und Prozesse der umstrittenen Firmenjäger.

Die Köpfe hinter den Private-Equity-Unternehmen sind oft weitgehend unbekannt. Foto: dpa

Die Köpfe hinter den Private-Equity-Unternehmen sind oft weitgehend unbekannt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der schlanke Mann mit den kurz geschorenen Haaren würde kaum auffallen in der Business-Lounge eines Flughafens. Zurückhaltendes Auftreten, ruhige Stimme, ganz ohne Effekthascherei. Eher genau das Gegenteil. Nur dieser ernste, etwas stechende Blick unterscheidet ihn vielleicht von den anderen Anzugträgern. Kaum jemand wird Johannes Huth erkennen, wenn er sich im Flugzeug auf den Nachbarplatz setzt. Dabei ist er einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Huth ist Europa-Chef der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR. Dem amerikanischen Finanzinvestor gehören in Deutschland unter anderem die Werkstattkette ATU, das Duale System Deutschland, die Münchner Senderkette ProSieben Sat.1 und der Gabelstaplerbauer Kion. Mehr als 50 000 Menschen arbeiten hierzulande für Huth, weltweit sind es 565 000.

Auch Guy Hands dürfte unbehelligt durch jeden deutschen Flughafen laufen können. Der Brite mit den rotblonden Haaren sieht eher aus wie jemand, mit dem man abends gerne mal ein Bier trinkt. Hands ist ein Kumpeltyp, dem öfter mal das Hemd hinten aus der Hose hängt. Doch so leger er mit seinem Äußeren umgeht, so zielstrebig und konzentriert arbeitet er mit seinem Geld. Hands ist Gründer des britischen Finanzinvestors Terra Firma. Und Deutschlands größter Vermieter - der Herr über 230 000 Wohnungen.

Lawrence Guffey - nie gehört? Der dunkelhaarige Herr mit dem freundlichen Lächeln ist gerade dabei, Deutschlands größtes Kommunikationsunternehmen so richtig auf Trab zu bringen. Als Partner des Private- Equity-Fonds Blackstone sitzt er im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom und sorgte dafür, dass Vorstandschef Kai-Uwe Ricke seinen Hut nehmen musste. Nun macht er dessen Nachfolger René Obermann ordentlich Druck.


Bildergalerie Bild für Bild: Die Entscheider und die Organisationen hinter den Milliarden-Fonds


Die heimlichen Herrscher der Wirtschaft: Kaum einer kennt sie. Vielleicht noch die Firma, selten den Namen, aber erst recht nicht ihr Gesicht. Obwohl sie Milliarden bewegen, arbeiten die Manager der Private-Equity-Fonds am liebsten im Verborgenen. Sie kaufen, verkaufen und zerschlagen Unternehmen, konsolidieren ganze Branchen. Aber am liebsten ohne Publikum.

Vor zwei Jahren verfemte der damalige SPD-Chef Franz Müntefering die angelsächsischen Beteiligungsgesellschaften als Heuschrecken, die alles abgrasen, was ihren Weg kreuzt. Seitdem hat sich die Müntefering’sche Plage gewaltig im Land ausgebreitet. In Deutschland befinden sich heute fast 6000 Unternehmen in der Hand von Finanzinvestoren, vom Autovermieter Europcar über den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen bis zum Yachtbauer Bavaria. Insgesamt arbeiten hier fast eine Million Menschen für Unternehmen in Private-Equity-Hand.

Das sind immerhin schon 2,5 Prozent der Beschäftigten. Und der Anteil wird wachsen: In Großbritannien, wo Private-Equity-Fonds viel früher aktiv wurden, arbeitet bereits jeder Sechste für eines ihrer Unternehmen. Weltweit gehören Finanzinvestoren zu den größten Arbeitgebern: Für die britische Beteiligungsgesellschaft CVC beispielsweise arbeiten weltweit rund 309 000 Menschen, das ist genauso viel wie für General Electric und viermal so viel wie für die Deutsche Bank. Der US-Investor Blackstone beschäftigt in seinen Unternehmen mehr als 400 000 Mitarbeiter. Permiras Portfoliounternehmen halten weltweit gut 220 000 Menschen in Lohn und Brot.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie sind Private-Equity-Firmen so mächtig geworden?

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