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13.06.2007 

In seinem Geschäft sieht er das jeden Tag. "Die Leute, die in den 90er-Jahren erfolgreich waren, wussten, wie man sich Eigentum sichert. Sie waren aggressiv genug und hatten das Gespür für den Moment", sagt der Troika-Chef. Damals waren Fragen der Kostendisziplin, der Informationstechnik oder der Personalführung schlicht egal. Das hat sich geändert. Ohne professionelle Unternehmensführung kommt man heute auch in Russland nicht mehr weit - davon ist Wardanian überzeugt. Dabei gibt es so viel zu tun: Russland, das ist für ihn fast ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten - eine riesige Baustelle, die Größe des Landes ist wie eine Droge. Er kann gar nicht schnell genug aufzählen, wo es sich lohnen würde, Geld hineinzustecken: Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, der marode Bildungs- und Gesundheitssektor. Und das, was in die falsche Richtung läuft? Korruption, immer mehr staatliche Kontrolle, das mangelhafte Rechtswesen? Es folgt ein tiefer Seufzer. Dann, fast schon ein wenig genervt, erzählt er eine Anekdote: Im Jahr 1995 klingelt bei ihm das Telefon, es ist einer der stellvertretenden Ministerpräsidenten: "Wer ist Dow Jones? Und warum fällt er?", will er wissen. Das ist erst zwölf Jahre her.

Wardanian wirbt vor allem um eines im Westen: Geduld mit Russland. "Die Veränderungen begannen 1985, und mein Gefühl ist, sie werden mindestens biblische 40 Jahre andauern", schätzt er. Wichtig sei: "Die Leute, die 2025 an der Macht sein werden, haben nicht schon in der Sowjetunion funktioniert - eine neue Generation. Das beseitigt nicht alle unsere Probleme, aber das wird einen großen Unterschied machen", so die Hoffnung Wardanians, der selbst aus einer Familie der sowjetischen Intelligenz stammt. In Moskauer Branchenkreisen gilt er als einer, der das Investment-Banking in Russland auf professionelle Füße gestellt hat - sein Leumund in der Szene ist untadelig: Er ist der Vorsitzende des russischen Corporate-Governance-Komitees. "Er ist einer, der lebt, was er predigt", sagt ein ehemaliger Kollege. Dabei scheut er auch Konflikte nicht: Seine Analysten sind die ersten, die Ende der 90er-Jahre russische Konzerne auf ihre Unternehmensführung prüfen. Von den 50 untersuchten Firmen landen 44 auf der schwarzen Liste - weil sie sich nicht um die Rechte von Minderheitsaktionären kümmern. Er legt sich damals auch mit dem Star unter den russischen Managern an, dem Yukos-Chef Michail Chodorkowski.

Glück gehabt hat Wardanian natürlich auch, wie in der Finanzkrise 1998. Troika hatte sich kaum exponiert, kam mit einem blauen Auge davon, sicherte sich mit der Bank of Moscow einen politisch bestens verdrahteten sowie finanziell potenten Partner und konnte expandieren.

Die Herausforderungen der nächsten Jahre sind andere als die in den "wilden Neunzigern", sie sind dennoch nicht minder groß: Immer mehr ausländische Banken drängen nach Russland, setzen den Markt mit Preisdumping und astronomischen Gehältern unter Druck. Die staatliche VTB, die Kasse voller Dollar-Milliarden aus ihrem Börsengang, hat ein Auge auf Troika geworfen. Über die Summe von vier Milliarden Dollar wird in Finanzkreisen getuschelt. Bisher gibt es keine Einigung, aber die VTB habe Geduld, heißt es.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Bankenparadies Moskau

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