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08.04.2008 

Sollte man die strikte Marktbewertung dennoch aussetzen?

Eine Aufschiebung von „mark-to-market“ würde nur dazu führen, dass man das Problem verniedlicht. Außerdem setzt man Bilanzregeln außer Kraft, die in den meisten Teilen der Welt gelten und dort viele Vorteile haben. Es würde den Heilungsprozess nur verlangsamen und ist für mich deshalb nur eine der letzten Möglichkeiten, um Schlimmeres zu verhindern. Wer Finanzprodukte nicht markgerecht bewertet oder etwa Hypothekenverträge nachträglich verändert, unterminiert das marktwirtschaftliche System.

Welche Note hat US-Notenbank-Chef Ben Bernanke für sein bisheriges Krisenmanagement verdient?

Angesichts der Instrumente die er zur Verfügung hat, würde ich ihm ein A- und der Europäischen Zentralbank (EZB) ein A geben. Die Bank of England hätte ein B+ verdient.

Warum schneidet die EZB besser ab als die Fed?

Die EZB hat sehr schnell realisiert, dass die versiegende Liquidität das dringendste Problem des Finanzsystems ist. Sie hat darauf sehr aggressiv mit Liquiditätshilfen reagiert. Die Fed hat viel länger gebraucht, um das zu merken. Die US-Notenbank hat erst mit dem Zinshebel reagiert und dann gemerkt, dass die Zinspolitik zu stumpf ist, um der Krise zu Leibe zu rücken.

Sollte die EZB die Zinsen stärker senken angesichts der möglichen Auswirkungen einer Rezession in den USA auf den Rest der Welt?

Bislang reichen die Argumente dafür noch nicht aus. Die EZB ist vorsichtig und behält die Inflationsgefahr im Auge. Ich verstehe deshalb, dass die Europäer so zurückhaltend sind. Außerdem hat die Fed ein doppeltes Mandat. Sie muss sich um Wachstum und Beschäftigung sorgen.

Kann sich der Rest der Welt von einer Rezession in den USA abkoppeln?

Je weiter man von New York aus nach Osten geht, desto besser ist die Welt gegen einen Abschwung in Amerika gewappnet. Die Konjunktur im Rest der Welt wird nicht derart schnell zurückgehen wie in den USA. Aber es wird keine Entkoppelung der Märkte geben.

Hätte die Fed das Diskontfenster für die Brokerhäuser schon früher öffnen sollen?

Ja. Sie hat in zweierlei Hinsicht zu langsam reagiert. Erstens hat sie zu spät gemerkt, dass die Probleme nicht auf den Bankensektor begrenzt sind, sondern sich ausbreiten. Zweitens hat nicht nur die Notenbank, sondern die gesamte US-Regierung erst spät realisiert, dass es nicht nur um eine kurzfristige Finanzierung der Banken, sondern um eine Bilanzhilfe geht. Das ist auch der Grund, warum die bisherigen Maßnahmen so wenig gegriffen haben.

Hat die Fed mit ihrer Geldschwemme den Boden für die nächste Spekulationsblase bereitet?

Ich glaube, dass wir in einigen Jahren ein Inflationsproblem bekommen werden. Das ist der Kollateralschaden der Krisenbekämpfung. Es wird viel schwieriger für die Zentralbanken, die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Das liegt auch an den verzögerten Folgen der heutigen Liquiditätshilfen.

Muss die amerikanische Notenbank ihre bisherige neutrale Haltung zu Spekulationsblasen überdenken?

Die Fed muss ihre Politik modernisieren und zum Beispiel den Effekt von Spekulationsblasen auf den Konsum und die Investitionen berücksichtigen. Und der International Währungsfonds (IWF) muss stärker der Frage nachgehen, wie das Finanzsystem die reale Wirtschaft beeinflusst. Das ist auch eine Herausforderung für die Wissenschaft.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Run“ auf den Dollar?

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