Steven Peter ist einer von ihnen. Er kam Ende vergangenen Jahres zu Springboard. Vorher hatte er sechs Jahre in der Hypothekenbranche gearbeitet. Er redet jeden Tag mit etwa fünf oder sechs Schuldnern. Man bekomme "ein richtig gutes Gefühl", wenn man Wege finde, deren Belastung zu senken, sagt Peter.
Sein Chef Gary Aguilar schätzt nach eigenem Bekunden Mitarbeiter mit umfangreicher Erfahrung im Hypothekengeschäft. Über deren Beteiligung an Hypotheken, die im Zuge der Subprime-Krise geplatzt sind, mache er sich keine allzu große Gedanken: "Im Grunde mussten sie tun, was ihnen gesagt wurde."
Laut Aguilar beträgt das Einstiegsgehalt für Hypotheken-Schuldnerberater rund 35 000 Dollar im Jahr. Viele der Bewerber hatten es bei den früheren Arbeitgebern, den Hypothekenfirmen, meist auf sechsstellige Einkommen gebracht. Diese gut bezahlten Jobs sind jetzt aber Mangelware. Die Beschäftigtenzahl in der Immobilienfinanzierung, Hypothekenvermittler eingeschlossen, sei vom Höchststand von 505 000 im Oktober 2006 auf 365 000 gefallen, schätzt Doug Duncan, Chefvolkswirt beim Verband der Hypothekenbanker. Er erwartet, dass der Tiefstand bei rund 350 000 Beschäftigten etwa Mitte des Jahres erreicht sein wird. Damit hätte fast jeder Dritte in der Immobilienbranche seinen Job verloren.
Jacqueline Camacho hatte 14 Jahre im Hypothekengeschäft gearbeitet, bevor sie im vergangenen Oktober die Seiten wechselte und bei Neighborhood Housing Services of Jamaica (NHS) anheuerte, einer gemeinnützigen Organisation, die Schuldner im New Yorker Stadtteil Queens berät. Ihr letzter Arbeitgeber war der Baufinanzierer American Home Mortgage Investment Corp., der im vergangenen Jahr Gläubigerschutz beantragt hatte. Dort bewertete sie Kreditverträge. Über ihre Arbeit bei American Home und anderen Immobilienfinanzierern, bei denen sie gearbeitet hatte, sagt sie heute: "Oft habe ich mir gesagt: ?Das ist verrückt'." Zwar habe sie gesehen, dass die Kreditkonditionen zu locker gewesen seien, aber sie habe Darlehen nicht ablehnen können, welche die Kriterien der Kreditgeber erfüllt hätten - und der Investoren, die die Darlehen gekauft hätten.
Über eine Sache will sie nicht so gerne reden: ihr jetziges Einkommen. Es sei rund halb so hoch wie bei American Home, verrät sie immerhin. Allerdings, so fügt sie hinzu, bekomme sie als Schuldnerberaterin einen anderen Bonus: "das Gefühl, jemandem zu helfen".
Der Autor ist Redakteur des Wall Street Journal.
Not auf beiden Seiten
Niedergang
Die Zahl der Hypothekenvermittlungsfirmen in den USA ist massiv gesunken. Seit dem Höchststand vor gut zwei Jahren ist mehr als jeder dritte Anbieter vom Markt verschwunden (siehe Grafik). Ähnliches gilt auch für die Beschäftigten der Immobilienbranche. Auf dem Höhepunkt des Booms, im Oktober 2006, verdienten über 500 000 Menschen ihr Geld mit Häusern, Grundstücken und deren Finanzierung. Experten zufolge werden es Mitte des Jahres 150 000 weniger sein. Da wundert es wenig, dass viele arbeitslose Hypothekenvermittler die Seiten wechseln und ihr Glück als Schuldnerberater versuchen.
Abgang
Die Lage am US-Immobilienmarkt ist so schlimm, dass die Zwangsversteigerer schon nicht mehr nachkommen. Ende Dezember ist die Zahl der Schuldner, die mindestens 90 Tage mit ihren Hypotheken im Verzug sind, auf 3,6 Prozent gestiegen. Das ist nach Angaben des Verbandes der Hypothekenbanken der höchste Wert seit mindestens fünf Jahren. Die Zahl ist damit erstmals fast doppelt so hoch wie die Quote der Zwangsversteigerungen von zwei Prozent - Tendenz steigend.

