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22.04.2008 

Leidet der Finanzplatz Deutschland besonders stark unter der Krise?

Nein, das würde ich nicht sagen. Klar, wir leiden. Aber weil die deutschen Institute in Summe nicht zu den Hauptleidtragenden gehören, können wir ein Stück gelassener sein. Es gibt auch die eine oder andere Chance für neue Geschäfte. Den höchsten Konsolidierungsdruck erlebt das klassische Investmentbanking in New York und London. Unsere Kernbereiche – Vermögensverwaltung und Verbriefungen im weitesten Sinne – sind nicht beschädigt sondern eher gestärkt worden.

Bei der KfW haben Sie als Mitglied des Verwaltungsrates direkten Einblick in das Debakel um die IKB gehabt, was lief da falsch?

Die KfW wurde vor Jahren dazu gedrängt, Aufgaben zu übernehmen, die nie klassische Förderaktivitäten waren. Die IKB half zwar auch dem Mittelstand, es ist aber Privatbankengeschäft gewesen. Man kann als Staatsbank nicht jahrelang mit 37 Prozent in einer privaten Aktivität gebunden sein, wohl wissend, dass man aus Rufgründen am Ende praktisch 100 Prozent der Last tragen muss, weil die Kollateralschäden für das gesamte System zu groß sind. Das war der entscheidende strukturelle Fehler, den übrigens nicht Frau Matthäus-Maier gemacht hat. Wenn der Staat ein Geschäft macht, bei dem er zu hundert Prozent haftet, dann muss er am Ende auch entsprechend durchgreifen können. Bis zum heutigen Tage kann der Staat wegen des Aktienrechts operativ bei der IKB kaum eingreifen, das hat sich als sehr schwerer Nachteil erwiesen.

Hat sich die KfW nicht generell zu stark wegbewegt vom ursprünglichen Förderauftrag?

Das Kernfördergeschäft steht doch außer Frage. Und die KfW ist ja richtigerweise dazu gedrängt worden, die Ipex-Bank für die Projekt- und Exportfinanzierung auszugliedern, wenngleich die Bank im Einflussbereich der KfW bleibt. Man muss Bereiche wie die Flugzeugfinanzierung immer wieder auf den Prüfstand stellen. Andererseits kann aber der Staat auch immer wieder in Situationen kommen, wo er in wirtschaftliche Prozesse einbezogen wird. Beispielsweise brauchen wir die KfW für Platzhaltergeschäfte bei Aktienplatzierungen von Staatsvermögen. Deshalb sage ich ganz deutlich: der Staat kann seine Expertise im privatwirtschaftlichen Bankenbereich nicht auf null reduzieren. Die Ipex ist eine solche notwendige Expertise für die Handlungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland.

Also sollte man die Ipex-Bank im Augenblick nicht privatiseren?

Nein, im Augenblick würde ich sie nicht privatisieren. Das ist keine Jahrhundertentscheidung, aber im augenblicklichen Zustand soll man das solide Instrument bei der KfW lassen. Wir haben dort andere Probleme.

Die IKB steht zum Verkauf, knüpfen Sie daran Bedingungen?

Egal welche Konstellation entsteht, es wird eine weitere Verantwortung für die KfW geben, mit den Belastungen bei der IKB fertig zu werden. Weil die Bundesrepublik die volle Last der Haftung trägt - durch die Kapitalerhöhung hält die KfW am Ende 90 Prozent des Aktienkapitals – müssen wir mit Augenmaß vorgehen. Es ist die Verpflichtung der Gremien und des Vorstands, das Geld nicht zu verschenken. Das ist der Maßstab.

… also kein Verkauf zu Schleuderpreisen?

Wenn die Gebote am Ende zeigen, dass ist ein gutes Geschäft für alle, nur nicht für uns, dann müssen wir neu überlegen. Dann muss die Abwägung kommen, kann die KfW das Geschäft der IKB für einen längeren Zeitraum betreiben, um die Geschäfte dann an den Markt zu bringen. Schon wegen der Treuepflicht haben wir kein Recht dazu, die IKB zu jedem Preis zu verkaufen. Wir müssen schon schauen, was der faire Wert ist. Ich meine, solides deutsches Mittelstandsgeschäft ist auf jeden Fall etwas wert.

Wenn weniger als 500 Mill. Euro gezahlt werden, ist das dann ein schlechtes Geschäft?

Dazu gebe ich keinen Kommentar.

Ist der Verwaltungsrat der KfW nicht zu groß?

Für die Förderbank ist es gut, alle Interessen im Verwaltungsrat zu binden. Sonst gibt es permanent Rangeleien um die Art der Förderung. Hier findet über Politik, Verbände und alle Bankengruppen eine Konsensbildung statt. Was mich aber verwundert hatte und jetzt korrigiert wurde ist die Tatsache, dass der wirtschaftliche Teil der KfW – Stichwort IKB – von der Corporate Governance überhaupt nicht abgebildet wurde. Mit dem Präsidial- und Prüfungs- sowie dem Kreditbewilligungsausschuss sind nun klare Gremienstrukturen geschaffen worden. Deshalb muss man jetzt nicht ans KfW-Gesetz rangehen. Auch sollte es auch bei der Nachfolge von Frau Matthäus-Maier eine an der Corporate Governance angelehnte Führungsstruktur geben, d.h. es gibt einen Vorstandsvorsitzenden und nicht einen vom Vorstand bestimmten Sprecher.

Aber ein Top-Bankmanager wird sich kaum mit 450 000 Euro im Jahr zufrieden geben.

Es ist nicht einfach, aber für ausgeschlossen halte ich da nichts. Es gibt eine hinreichende Zahl von Menschen für die Geld viel, aber nicht alles ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wir können uns der Landesbankendiskussion nicht entziehen

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