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23.04.2008 

Rohners Rede vor den Aktionären ist gleichzeitig ein Zeichen, dass die operative Führung der Bank gestärkt wird. Bisher hatte der gestern zurückgetretene UBS-Präsident Marcel Ospel als "aktiver Verwaltungsratspräsident" selbst das Tagesgeschäft maßgeblich beeinflusst. Peter Kurer, der Ospel als Präsident beerben soll, machte in seiner Rede vor den Aktionären klar, dass es künftig eine "unmissverständliche Grenzziehung" zwischen Konzernleitung, die für die Führung der Bank verantwortlich ist, und Verwaltungsrat, der die Strategie festsetzt, geben werde.

Neben einer Verkleinerung der Investmentbank kündigte Rohner weitere Änderungen an. Er räumte ein, dass sie die Bank zu sehr in komplizierte Geschäfte verhedderte habe. "Ein Mangel an Einfachheit und kritischer Distanz hat verhindert, frühzeitig genug die richtigen Fragen zu stellen", sagte der Konzernchef. Bereits im laufenden Quartal will die UBS dieses Problem angehen, in dem bei der Risikobeurteilung die Zuständigkeiten klarer verteilt werden. Das sogenannte "Chairmans Office", das zwischen Verwaltungsrat und Konzernleitung mitmischte und das aus den bei der UBS angestellten Mitgliedern des Verwaltungsrats bestand, wird abgeschafft. Stattdessen werde, so kündigte Kurer an, neu vom Verwaltungsrat ein Risikoausschuss eingesetzt, der ausschließlich aus unabhängigen Mitgliedern des Kontrollgremiums bestehen soll.

Daneben soll sich ein weiterer Ausschuss des Verwaltungsrats mit der Personalentwicklung beschäftigen. Kritiker hatten immer wieder bemängelt, dass das Thema vernachlässigt worden sei, was spätestens nach dem Abgang von Rohners Vorgänger Peter Wuffli und angesichts des monatelang an seinem Posten hängenden Präsidenten Ospel deutlich wurde. "Persönlichkeiten mit Kompetenzen im Finanzbereich müsste mindestens die Hälfte der Besetzung des Verwaltungsrats ausmachen", verlangte Dominique Biedermann, Chef der Anleger-Stiftung Ethos. Er forderte eine weitere außerordentliche Generalversammlung, um die Wahl weitere Verwaltungsräte im Sommer umzusetzen.

Die angesichts eines gebeutelten Aktienkurses und hoher Bonuszahlungen an einige UBS-Mitarbeiter aufgebrachten Aktionäre, von denen mehr als 4 000 nach Basel gekommen waren, sollten am Nachmittag einer Kapitalerhöhung in Höhe von umgerechnet zehn Mrd. Euro und der Wahl Kurers zum Nachfolger Ospels zustimmen. Beide Punkte dürften mit knappen Mehrheiten genehmigt werden.

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