Die Trennung zwischen Rück- und Erstversicherung sei ohnehin überholt, sagte Choueiri. "Wir sehen uns als Risikoträger." Vergleichbare Konkurrenten, die weltweit aktiv sind, gibt es wenige. Am ehesten trifft der Konzern immer wieder auf die Bupa. Der britische Versicherungskonzern steigerte 2007 die Erlöse um elf Prozent auf 4,2 Mrd. Pfund und erzielte einen Rekordgewinn. Die Bupa expandierte unter anderem in Saudi-Arabien, Australien und Spanien. In diesem Jahr startete sie neue Projekte in Lateinamerika.
Die Münchener Rück
hatte ihre Gesundheitsaktivitäten im Ausland vor zwei Jahren in einer strategischen Einheit mit inzwischen 3 500 Beschäftigten gebündelt. "Wir werden über kurz oder lang von der virtuellen in eine reale rechtliche Struktur übergehen", kündigt Choueiri an. Die Integration komme gut voran.
Das Geschäft ist nicht ohne Risiken. Zum einen sind die Margen in der Krankenversicherung oft niedriger als in anderen Segmenten. Zudem sind die Märkte fast überall staatlich reguliert, was das Geschäft schwierig macht. "Wir sind uns des politischen Risikos bewusst", sagt Choueiri. So verfolge man die US-Präsidentschaftswahlen genau. Zumindest in den nächsten Jahren seien aber keine gravierenden Veränderungen auf dem wichtigsten Gesundheitsmarkt der Welt zu erwarten, die ein Problem für die neue US-Tochter Sterling sein könnten.
Ein Patentrezept für alle Märkte gibt es schon wegen der unterschiedlichen Systeme nicht. "Man muss sich mit jedem Markt neu auseinandersetzen und die richtige Lösung entwickeln", sagt Choueiri. Allerdings verspricht sich der Konzern viel von dem Krankenversicherer Daman in Abu Dhabi. Die Golfstaaten stecken derzeit enorme Summen in den weiteren Ausbau des Gesundheitssystems. Die Daman wendet sich in erster Linie an Ausländer, die in dem Emirat arbeiten. Die Nachbarstaaten beobachteten die Entwicklung des Projekts genau, sagt Choueiri. Wenn das Experiment gut laufe, könne es eine Sogwirkung entwickeln. "Wir erwarten in der Region gewaltiges Wachstum."

