Die amerikanischen Behörden versuchten meist die direkte Anklage einer Finanzinstitution zu vermeiden. „Sie werden der UBS vermutlich eine außergerichtliche Einigung anbieten“, sagte der Rechtsexperte. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Bank mit den Behörden kooperiere, alle nötigen Unterlagen überreiche und eine unabhängige Anwaltskanzlei mit einer Untersuchung der Vorgänge beauftrage. Forderungen, die insbesondere für eine auf ihre Vertraulichkeit bedachte Schweizer Bank nicht ganz einfach zu erfüllen sind. UBS hat jedoch kaum eine Alternative. „Sollten die Schweizer nicht kooperieren, könnte selbst die Banklizenz in den USA in Gefahr geraten“, sagte Coffee.
Die Bank räumt ihre Verwicklungen in den Fall auch in ihrem jüngsten Quartalsbericht ein, den sie am Dienstag vorgelegt hat. Darin heißt es, das US-Justizministerium und die Aufsicht SEC „untersuchten das Verhalten der UBS in Bezug auf grenzüberschreitende Dienstleistungen, die in der Schweiz beheimatete Kundenbetreuer gegenüber US-Kunden erbracht hatten“. Bereits im vergangenen Jahr, als die jetzt bekannt gewordenen aktuellen Ermittlungen von SEC und Justizbehörenden noch am Anfang standen, hatte die Bank ihr von der Schweiz aus gesteuertes US-Vermögensverwaltungsgeschäft unter Liechtis Führung umstrukturiert, wobei rund 70 Stellen gestrichen wurden. Wegen der Ermittlungen in den USA gaben die UBS-Aktien in Zürich gestern erneut um zeitweise mehr als 3,5 Prozent nach.
Pierre Mirabaud, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, reagiert inzwischen zunehmend ungehalten auf den Druck ausländischer Ermittlungsbehörden. „Schweizer Banken halten sich strikt ans Gesetz. Das gilt nicht nur in der Schweiz, sondern auch überall dort auf der Welt, wo sie Geschäfte machen.“

