Und obwohl Deutschland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für die Fonds ist, haben einige der größten US-Spieler wie KKR oder Texas Pacific hier nicht einmal ein Büro. Sie operieren von London aus. Blackstone hat sein Hamburger Büro wieder dichtgemacht. Clayton, Dubilier & Rice vollzog die angekündigte Eröffnung gar nicht erst. Den Fonds ist es wichtiger, die kleinen Teams zusammen an einem Standort zu haben, als die räumliche Nähe zu den Unternehmen zu suchen, die sie schlucken wollen. Bei großen Firmenverkäufen werden ohnehin alle zur Auktion eingeladen.
Die meisten europäischen Fonds sehen das anders. Gesellschaften wie BC Partners, CVC, Permira oder Apax haben in der Regel zwar ihren Ursprung in Großbritannien, verzichten jedoch nur selten auf eine deutsche Niederlassung. Einige, wie der britische Finanzinvestor 3i, haben gar drei. Thomas Krenz, Deutschland-Chef von Permira, steuert sein 35-köpfiges Team vom Frankfurter Uni-Viertel Bockenheim aus. Multikulti mit türkischen Gemüseständen statt der Banktürme im benachbarten Westend. "Wir glauben, dass es extrem wichtig ist, mit dem Land, in dem man Deals machen will, auch kulturell verwurzelt zu sein. Wenn wir die Leute gut kennen und gründlich nach gu- ten Unternehmen suchen, gelingen uns auch die besseren Transaktionen", sagt Krenz.
Echte deutsche Fonds gibt es nur wenige. Größter deutscher Investor ist Allianz Capital Partners (ACP) - genau genommen gar kein Fonds, sondern eine 100-prozentige Tochter der Allianz. ACP-Chef Thomas Pütter ruft das Geld nach Bedarf beim Mutterkonzern ab. Wie viel er investieren kann, gibt er nicht preis. Er dürfte jedoch durchaus Unternehmenskäufe von bis zu zwei Milliarden Euro stemmen können. Daneben haben sich auch einige der früher kleinen deutschen Fonds zu ansehnlicher Größe gemausert: Odewald & Cie. in Berlin und Quadriga Capital in Frankfurt haben mit ihren jüngsten Fonds jeweils mehr als 500 Millionen Euro eingesammelt.
Bild für Bild: Wie Finanzinvestoren im Mittelstand auftreten
Das klingt nach viel, ist es in dieser Welt aber nicht. Im vergangenen Jahr flossen weltweit fast 300 Milliarden Euro in die Anlageklasse. Insgesamt warten rund 1,5 Billionen Euro in den Händen der Private-Equity-Gesellschaften darauf, investiert zu werden. Für ihre Anleger haben die Fonds im historischen Schnitt rund 13 Prozent Rendite erwirtschaftet. Die besten kommen kontinuierlich auf deutlich über 20 Prozent. Fonds, die wie die schwedische Industri Kapital ihre Renditeversprechen einmal nicht erfüllen oder wichtige Macher verlieren, sind schnell angezählt - aus der nächsten Geldsammelrunde gehen sie mit halbleerem Säckel hervor. Darwinismus in Reinkultur.
Die erfolgreichen Investoren aber können sich derzeit vor Kapital kaum retten. In den vergangenen Monaten schloss ein Fonds nach dem anderen mit Rekordsummen. Blackstone bekam 15,8 Milliarden Euro, Texas Pacific kurz zuvor 11,2 Milliarden Euro. Goldman Sachs sammelt derzeit einen neuen Private-Equity-Fonds ein, der 15 Milliarden Euro (20 Milliarden US-Dollar) schwer werden soll. In Europa liegt Permira mit elf Milliarden Euro vorn. Doch derzeit schickt sich Apax an, Permira noch zu überflügeln.
Das Geld investieren die Gesellschaften mit atemberaubendem Tempo in immer größere Unternehmen. Lange hielt KKR mit der 31 Milliarden Dollar teuren Übernahme von RJR Nabisco aus dem Jahr 1988 den Größenrekord. Vergangenes Jahr wurde er dann mehrmals gebrochen. So schnappten sich Bain Capital und KKR einen amerikanischen Krankenhausbetreiber für 33 Milliarden Dollar. Blackstone kaufte die Immobiliengesellschaft Equity Office Properties für 36 Milliarden Dollar. Und KKR und Texas Pacific setzten mit dem 45-Milliarden-Dollar-Kauf des texanischen Stromkonzerns TXU in diesem Frühjahr noch einen drauf.
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