Die Staatsanwaltschaft in Schweden hat hochrangige Investmentbanker wegen illegaler Aktiengeschäfte festgenommen. Sie sollen ihr Insider-Wissen genutzt und Gewinne in Millionen-Höhe kassiert haben. Dieser Fall von Wirtschaftskriminalität ist der wohl größte in der schwedischen Geschichte.
STOCKHOLM. Ein Insiderskandal erschüttert Schwedens Finanzwelt: Gestern beantragte die Stockholmer Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen zwei hochrangige Investment-Manager bei Nordeuropas größter Bank, Nordea, und dem schwedischen Hedge-Fonds Cevian Capital. Die Beschuldigten sollen seit 2005 durch Insider-Wissen Aktiengeschäfte durchgeführt und Gewinne in Millionen-Höhe eingestrichen haben. Zunächst hatte die schwedische Börsenpolizei Ekobrottsmyndigheten (EBM) vier Personen wegen des Verdachts auf Insider-Handel festgenommen. Ein Mann wurde später wieder auf freien Fuß gesetzt, der Verdacht gegen ihn besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch weiter. Die Entscheidung, wie gegen die vierte Person vorgegangen wird, fällt erst am Freitag.
Die Polizei durchsuchte sowohl die Arbeitsräume der Verdächtigten als auch deren Privatwohnungen. Bei einem der beiden Beschuldigten fand die Polizei Bargeld. „Einige Millionen Kronen“, wie Staatsanwalt Robert Engstedt am Mittwoch erklärte. Computer und Handys sind nach seinen Angaben ebenfalls beschlagnahmt worden.
Der für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständige Staatsanwalt Engstedt bezeichnete den Fall als den wohl größten in der schwedischen Wirtschaftsgeschichte. Aus Kreisen der Ermittlungsbehörden erfuhr das Handelsblatt, dass eine Ausdehnung der Affäre bis in die USA nicht mehr ausgeschlossen werden könne.
Noch gibt es deutlich mehr Fragen als Antworten: Die Staatsanwaltschaft hat sich und sämtlichen Beteiligten einen Maulkorb verpasst. Die Anwälte der Beschuldigten, die selbst jeden Vorwurf bestreiten, dürfen sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Und auch die Staatsanwaltschaft in Stockholm hält sich eher bedeckt, will aber nicht ausschließen, dass es in den kommenden Tagen zu weiteren Festnahmen kommen kann.
Soviel ist bislang bekannt: Die beiden Hauptverdächtigen sollen mindestens seit 2005 mit Insider-Informationen über bevorstehende Akquisitionen und Beteiligungen private Aktiengeschäfte durchgeführt haben. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass die jetzt Verdächtigten nur ein kleiner Teil eines deutlich größeren Netzwerks mit Verzweigungen ins Ausland sind, das durch Insider-Wissen seit geraumer Zeit sowohl in Nordeuropa, als auch in anderen EU-Ländern sowie außerhalb der EU enorme Gewinne machen konnte. „Dieser Fall ist auch im Vergleich zu Insider-Geschäften im übrigen Europa und Nordamerika sehr groß“, erklärte Staatsanwalt Engstedt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Allein durch ein einziges Geschäft verdienten die Verdächtigen mehr als fünf Mill. Euro.

