Im Betrugsskandal bei der Frankfurter Phoenix Kapitaldienst GmbH sind nach Erkenntnissen des vorläufigen Insolvenzverwalters jahrelang Unterlagen manipuliert worden.
HB FRANKFURT. Ein Betrag von mehr als 800 Millionen Euro habe über einen längeren Zeitraum „nur noch virtuell“ existiert, teilte Rechtsanwalt Frank Schmitt am Mittwoch in Frankfurt mit. „Ein Großteil des Geldes ist nicht mehr vorhanden.“ Davon seien mehr als 30 000 Anleger betroffen, die in den so genannten „Phoenix Managed Account“ investiert hätten.
„Wir haben den Verdacht, dass es System hatte“, sagte das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Reinhild Keitel, bereits am Dienstag. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geht in dem Fall von „krimineller Energie“ aus. Gleichzeitig trat sie Kritik an ihrem Vorgehen entgegen.
Nach Darstellung der BaFin hat sie bereits 2002 eine Sonderprüfung bei der Phoenix Kapitaldienst vorgenommen. Damals sei aber keine Notwendigkeit zum Handeln entdeckt worden, sagte Sprecherin Sabine Reimer der dpa. Die Unterlagen seien „so exzellent gefälscht“ gewesen, dass es schwierig gewesen wäre, sie als solche zu erkennen. „Vor krimineller Energie ist auch die beste Behörde nicht gefeit“, sagte die Bafin-Sprecherin. Die BaFin habe am vergangenen Donnerstag nach Vorlage neuer Unterlagen sofort reagiert und das Unternehmen aufgefordert, die Geschäfte ruhen zu lassen und Strafanzeige zu stellen, sagte Reimer.
Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft zeigten die drei Geschäftsführer von Phoenix Kapitaldienst sowie ein Vertreter der Erbengemeinschaft einen Angestellten wegen Betrugs und Untreue an. Sie werfen ihm Manipulationen in der Größenordnung von 700 Millionen Euro vor. „Wir sehen keinen dringenden Tatverdacht“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel am Dienstag. Deshalb sei der Angestellte, zu dem keine näheren Angaben gemacht wurden, weiter auf freiem Fuß. Die Ermittlungen stünden erst ganz am Anfang. Bei Phoenix Kapitaldienst war am Dienstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. In der Frankfurter Zentrale lief nur eine Ansage vom Band.
Die SdK und das Deutsche Institut für Anlegerschutz (DIAS) in Berlin kritisierten das Vorgehen der BaFin. Es habe schon jahrelang Warnungen von Anlegerschützern und Verbraucherzentralen vor riskanten und unseriösen Anlagen bei Phoenix Kapitaldienst gegeben. Die Finanzaufsicht sei aber erst jetzt tätig geworden. „Die BaFin hätte etwas energischer prüfen sollen“, sagte Keitel. DIAS-Vorstand Jürgen Kunze erklärte, es sei „kein Ruhmesblatt“ für die BaFin, wenn diese erst nach einer Selbstanzeige der Phoenix Kapitaldienst einschreite.
Die SdK geht von einem betrügerischen Schneeballsystem aus. Bei neuen Anlegern seien Gelder eingesammelt und diese an vorher gewonnene Anleger ausgeschüttet worden, vermutet Keitel. Dabei sei die Fiktion erweckt worden, dass es sich um Anlageerträge handelte. „Das kann eine ganze Weile gut gehen“, sagte Keitel. Die Anleger seien - wie häufig am grauen Kapitalmarkt - mit völlig unrealistischen Renditeversprechen gelockt worden. Die Zulassung von Phoenix Kapitaldienst durch die BaFin sowie die Mitgliedschaft in der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) hätten für viele Anleger offenbar zur Beruhigung beigetragen.

