Im millionenschweren Betrugsfall der Anlagefirma Phoenix müssen die Geschädigten wohl noch Jahre auf ihr Geld warten.
HB FRANKFURT. Der Insolvenzverwalter Frank Schmitt hat einen Teil noch vorhandener Finanzmittel von 231 Mill. € vorübergehend angelegt bis rechtliche Fragen geklärt sind. Zudem möchte der Rechtsanwalt bereits erfolgte Auszahlungen anfechten, wie er am Mittwoch auf der ersten Gläubigerversammlung in Frankfurt ankündigte. Anschließend sollen aus der Insolvenzmasse die Geschädigten gleich behandelt werden und wenigstens Teile ihrer einst eingezahlten Gelder zurückerhalten. Die Gläubiger fordern dagegen eine schnelle Wiedergutmachung.
Der Gesamtschaden der rund 30 000 geprellten Anleger beläuft sich auf mehr als 800 Mill. € - inklusive 300 Mill. € erfundener Gewinne aus Termingeschäften. Es ist einer der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland.
Über Jahre hinweg habe Phoenix ihre Kunden betrogen, sagte Schmitt. „Die Renditen, mit denen geworben worden ist, hat es nie gegeben.“ Sie seien frei erfunden gewesen, ergänzte er vor mehr als 400 stimmberechtigten Teilnehmern und Vertretern von Geschädigten. Gewinn habe Phoenix nie erzielt und dafür Verluste in Millionenhöhe angehäuft.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon länger wegen Betrugsverdachts. Öffentlich wurde der Fall vor rund einem halben Jahr. Den Anlegern wurde ein erfolgreicher Handel mit Derivaten vorgetäuscht, tatsächlich wurde aber nur in geringen Mengen und mit Verlusten gehandelt. Mittlerweile ist dem seit 1977 tätigen Finanzdienstleister der Geschäftsbetrieb untersagt.
Rechtsanwalt Andreas Tilp, der Phoenix-Anleger vertritt, forderte unter großem Applaus der Versammlung, einen Teil der vorhandenen Gelder nach einen bestimmten Schlüssel schon jetzt an die Geschädigten auszuzahlen. Schmitt will dagegen zunächst die Insolvenzmasse, also die Summe der auszuzahlenden Mittel, erhöhen. Dafür will er bereits erfolgte Auszahlungen von Scheingewinnen in Höhe von rund 100 Mill. € zurückhaben. „Dazu wird es Musterprozesse geben“, erläuterte Schmitt. Dies werde wohl vier bis fünf Jahre dauern. Unklar sei zudem noch immer die genaue Höhe aller Forderungen und welchen Teil davon die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) übernehmen werde. Teilnehmer wie der Rechtsanwalt Hartmut Göddecke, der ebenso einige Phoenix-Anleger vertritt, zweifelten am Zeitplan von Schmitt. Es werde bei mehreren Musterprozessen durch die Instanzen wohl eher fünf bis sieben Jahre dauern, bis es Rückzahlungen geben könne.
Schmitt, dessen Mandat von der Gläubigerversammlung klar bestätigt wurde, will auch an den Nachlass des langjährigen Phoenix-GeschäftsführersDieter Breitkreuz heran, der im April 2004 durch einen Flugzeugabsturz ums Leben kam. Er hat Schmitt zufolge zwischen 1997 und 2004 rund 27 Mill. € durch Provisionsauszahlungen und Gewinnausschüttungen erhalten. Ferner solle eine Beteiligung in Dänemark liquidiert werden. Und beim Finanzamt wolle er Steuerrückerstattungen geltend machen. Der Gläubigerausschuss wurde um vier Personen auf jetzt sieben Mitglieder erweitert. Damit sollen die Interessen unterschiedlicher Gläubigergruppen besser repräsentiert werden.

