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20.03.2008 
Konzernstrategie

Rückversicherer Scor wertet Standort Köln auf

von Holger Alich

Die Finanzdirektion für das Lebensversicherungsgeschäft zieht an den Rhein. Köln soll einer von sechs „Hubs“ werden, die im Konzept von Scor-Chef Denis Kessler eine zentrale Rolle spielen. Wegen der Finanzmittel hält das Unternehmen momentan eine große Summe in Barmitteln.

PARIS. Denis Kessler, Chef des französischen Rückversicherers Scor, will wichtige Teile des Konzernmanagements am Standort Köln ansiedeln. „Wir werden in Köln die Finanzdirektion für unser weltweites Geschäft mit Lebensrückversicherung ansiedeln“, sagte Kessler dem Handelsblatt.

Kessler hat durch die Übernahme des Schweizer Rückversicherers Converium im vergangenen Jahr sowie durch den Kauf des in Köln ansässigen Anbieters Revios (früher Gerling Rück) im Jahr 2006 Scor zum fünftgrößten Rückversicherer der Welt gemacht. Bei Häusern wie Scor sichern die sogenannten Erstversicherer ihr Geschäft mit Privatkunden gegen Großschäden ab.

Vor allem dank der Zukäufe wuchs der Jahresgewinn von Scor im Jahr 2007 um 62 Prozent auf 407 Mill. Euro; damit konnte Scor die Analystenerwartungen übertreffen. Die Aktie legte deutlich zu. Die US-Hypothekenkrise ging an Scor vorbei. Die Prämieneinnahmen stiegen um 62 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro.

Nach den Zukäufen will Kessler den Rückversicherer neu organisieren. „Wir planen die Schaffung von sechs sogenannten Hubs“, erklärte er. Diese Zentren – Paris, Köln, London, Zürich, New York und Singapur – sollen lokale, regionale und weltweite Zuständigkeiten bekommen. Etwa wird von Köln aus das Deutschland-Geschäft über alle Sparten geführt werden.

„Nur mit dieser weltweiten Aufstellung können wir die besten Leute holen“, erklärte Kessler. Auf das Argument, die Management-Zersplitterung könne das Unternehmen lähmen, antwortete er: „Die europäischen Hubs sind alle nur eine Flugstunde voneinander entfernt, die Gefahr sehe ich also nicht.“

Angesichts der unsicheren Lage an den Finanzmärkten hält Scor derzeit rund zwei Mrd. Euro in Barmitteln. „Wir brauchen derzeit keine Verstärkung unserer Finanzmittel, etwa durch Hybrid-Kapital“, sagte Kessler. Hybrid-Kapital sind langlaufende Kredite, die Ratingagenturen wie Eigenkapital ansehen und die daher das Rating erhöhen können. „Diese Nachricht dürfte Anleger beruhigen“, kommentierten die Analysten des Brokers Cheuvreux.

Derzeit weist die für Versicherer maßgebende Agentur Standard & Poor’s dem französischen Rückversicherer die Note „A minus“ zu. Bis 2010 verspricht Scor, eine Finanzstärke aufzuweisen, die der Rating-Note „A plus“ entspricht. Laut Kessler ist es nicht ausgeschlossen, dass Scor doch noch Hybrid-Kapital aufnimmt, sollte S&P dies als Bedingung für eine „A plus“-Einstufung verlangen.

Scor will seine zwei Mrd. Euro in langlaufende Anleihen oder Aktien investieren, sollten sich die Märkte beruhigt haben.

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