Der französische Versicherer Axa zieht sich aus den Niederlanden zurück und verkauft seine Aktivitäten dort an den einheimischen Konkurrenten SNS Reaal. Das Geschäft hat auch Auswirkungen auf die DBV-Winterthur.
HB PARIS/UTRECHT/WIESBADEN. Der Kaufpreis beträgt nach Angaben des niederländischen Finanzinstituts 1,75 Mrd. Euro in bar. Zur Finanzierung ist eine Kapitalerhöhung geplant. Im Rahmen der Transaktion übernimmt SNS Reaal auch das Niederlande-Geschäft der in Wiesbaden ansässigen Axa-Tochter DBV-Winterthur.
Bei allgemein etwas schwächeren Notierungen in Paris und Amsterdam gaben die Aktien von Axa im frühen Handel 0,18 Prozent auf 32,76 Euro nach, während die Papiere von SNS Reaal um 3,35 Prozent auf 17,57 Euro anzogen. Die Anteile von DBV-Winterthur sackten 1,73 Prozent auf 73,70 Euro ab.
Die DBV-Winterthur Holding AG erwartet aus dem Verkauf ihres Geschäfts in den Niederlanden einen Buchgewinn von rund 120 Mill. Euro. Der mit SNS Reaal vereinbarte Kaufpreis belaufe sich auf 195 Mill. Euro, teilte das Unternehmen mit. Dadurch werde es voraussichtlich möglich, im Geschäftsjahr 2007 ein Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau zu erzielen. Dieses sei ebenfalls durch positive Sondereffekte geprägt gewesen.
Zu dem Axa-Geschäft in den Niederlanden gehören die Axa Nederland B.V., Winterthur Verzekeringen Holding B.V. und DBV Holding N.V., wie das Unternehmen am Montag auf seiner Website weiter mitteilte. Der Kauf erfolge rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres. Zu dem Preis kämen noch vier Prozent Zinsen pro Jahr dazu. SNS Reaal hofft, die Transaktion vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden im zweiten Halbjahr 2007 abzuschließen.
Zur Finanzierung des Kaufs werde SNS Reaal neue Aktien im Wert von 350 Mill. Euro ausgeben, teilte das Unternehmen am Montag in Utrecht mit. Außerdem werde die Stiftung Stichting Beheer SNS Reaal als Mehrheitsaktionär Aktien im Wert von bis zu 250 Mill. Euro inklusive einer Mehrzuteilungsoption von 50 Mill. Euro verkaufen.
SNS Reaal erwartet von 2011 an Synergieeffekte von 50 Mill. Euro jährlich vor Steuern. Bereits von 2008 an erwartet der Finanzkonzern eine positive Auswirkung beim Gewinn je Aktie (EPS). Rund 400 Stellen sollen aufgrund natürlicher Fluktuation wegfallen. Nach einer SNS-Modellrechnung hätte das Unternehmen seine Netto-Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr durch das Niederlande-Geschäft von Axa um 1,62 Mrd. auf 3,58 Mrd. Euro steigern können.
SNS-Reaal-Vorstandschef Sjoerd van Keulen sagte: "Die Akquisition verschafft uns die einzigartige Gelegenheit, unsere Position im Rahmen der Konsolidierung des niederländischen Versicherungsmarktes zu stärken, was bereits beim Börsengang im Mai 2006 unser erklärtes Ziel war." Durch die Transaktion wird SNS Reaal seinen Anteil am Versicherungsmarkt in den Niederlanden auf 9,2 Prozent verdoppeln. Damit werde der Konzern nach den Daten aus dem Jahr 2005 zum fünftgrößten Versicherer nach Eureko, ING, Fortis und Aviva.
Den Plänen zufolge sollen AXA Nederland und Winterthur Verzekeringen in die Reaal Verzekeringen integriert werden. Die niederländische DBV Holding soll ihre Unabhängigkeit weitgehend bewahren und als eigenständige Marke erhalten bleiben. Diese habe mit ihrem Angebot, einer Kombination aus Hypothekendarlehen und Lebensversicherungen, ein deutlich unterscheidbares Geschäftsmodell. Die DBV habe in den Niederlanden 2006 Darlehen im Wert von 2,1 Mrd. Euro vergeben und einen Überschuss von 14 Mill. Euro erzielt. Nach Angaben aus Wiesbaden verzeichnete die DBV-NL-Gruppe 2006 Beitragseinnahmen in Höhe von 585 Mill. Euro.

