Die HDI-Gruppe in Hannover hat die umstrittene Integration des Industrieversicherers Gerling abgeschlossen. Am heutigen Montag wird der alte Gerling-Konzern, die Allgemeine Versicherungs-AG (GKA), im Handelsregister gelöscht – Mitarbeiter und Geschäft gehen auf die Sachgruppe des HDI über, die sich fortan HDI-Gerling Sach Serviceholding AG nennt.
KÖLN. Das bestätigte ihr Chef, Christian Hinsch, dem Handelsblatt. Hinsch: „Die neue Gesellschaft wird noch besser als ihre Vorgänger auf die Belange industrieller Kunden eingehen können.“
Der Versicherer HDI gehört dem Talanx-Konzern, der mit fast 20 Mrd. Euro Beitragseinnahmen drittgrößten deutschen Versicherungsgruppe. Talanx hat den Konkurrenten Gerling im November 2005 von Rolf Gerling gekauft. Die Geschäfte von HDI und Gerling überlappen sich hauptsächlich im Bereich der gewerblichen und industriellen Versicherungen. Die Zusammenlegung dieser Bereiche ist daher besonders schwierig. Die Kundschaft aus der Wirtschaft ist nicht gerade begeistert, einen Anbieter weniger zur Auswahl zu haben. Industriepolicen bieten nur wenige Versicherungsgesellschaften an. Marktführer ist die Allianz.
Die Großkunden setzen nicht gern alles auf eine Karte. Das heißt, sie vertrauen ihre Risiken lieber mehreren Versicherern an, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Fusionen sehen sie generell kritisch, weil dadurch der Wettbewerb abnimmt. Vor diesem Hintergrund haben Marktbeobachter erwartet, dass die Kunden einen spürbaren Teil des Geschäfts auf fremde Anbieter verlagern. Das scheint derzeit nicht der Fall zu sein: „Wir haben bisher kaum Geschäft verloren. Bei uns ist aus eins plus eins fast zwei geworden“, sagt Hinsch. „Das ist weit mehr als man landläufig von Fusionen erwarten kann.“
Aus dem Markt berichten Makler freilich, bisherige Gerling-Kunden würden verstärkt Ausschreibungen für ihren Versicherungsschutz vornehmen. Aktuell verhandelt die Industrie mit den Versicherern über die Verträge für 2008. Grundsätzlich werden Industriepolicen auf ein Jahr abgeschlossen.
„In der derzeitigen, schwachen Marktverfassung hat es immer schon stärkere Ausschreibungs-Aktivitäten gegeben“, sagt Hinsch. Momentan geben die Preise für Versicherungsschutz auf breiter Front nach. Alle Kunden versuchen davon zu profitieren. „Insofern ist die höhere Zahl der Ausschreibungen nicht Folge unserer Fusion, sondern eine ganz normale Entwicklung“, betont Hinsch.
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