Die geplante Deutsch-Schweizer Versicherungsehe zwischen Baloise und Gothaer ist geplatzt. Vertreter beider Seiten konnten sich nicht auf den Deal verständigen. Damit droht vor allem den Eidgenossen jetzt wieder eine Übernahme durch einen Dritten.
rtr ZÜRICH. Der Schweizer Versicherer Baloise und die in Köln ansässige deutsche Gothaer haben die Verhandlungen über einen Zusammenschluss abgebrochen. Die beiden etwa gleich grossen Gesellschaften konnten sich nach Angaben vom Freitag nicht über „die kommerziellen Rahmenbedingungen“ einigen. Nach Ansicht von Analysten kehrt Baloise damit in den Kreis möglicher Übernahmekandidaten zurück.
Bei einem Zusammengehen von Baloise und Gothaer wäre eine Gruppe mit einem Prämienvolumen von rund neun Milliarden Euro entstanden. Ein Zusammenschluss war in Finanzkreisen als wirksamer Schutzwall für die immer wieder als Übernahmekandidat gehandelte Baloise eingeschätzt worden. Für die Basler hätten sich aber auch wirtschaftliche Vorteile ergeben; die neue Gesellschaft hätte eine kritische Grösse erreicht und Baloise die Möglichkeit geboten, ihr zersplittertes Deutschland-Geschäft effizienter zu gestalten und Skaleneffekte zu realisieren.
„Das gibt Baloise frisches Momentum als Übernahmeziel“, kommentierte Fabrizio Croce, Analyst bei Landsbanki Kepler. Angesichts der komplexen Struktur vor allem bei der als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit organisierten Gothaer sei der Abbruch der Gespräche allerdings nicht überraschend, so der Analyst.
In der Schweizer Versicherungsbranche dreht sich angesichts der nur begrenzen Wachstumsmöglichkeiten und der starken Konkurrenz seit geraumer Zeit das Übernahmekarussell. So haben etwa die Axa die Winterthur Versicherung oder Scor den Rückversicherer Converium gekauft. Zuletzt erwarb der Lebensversicherer Swiss Life den deutschen Strukturvertrieb AWD für 1,16 Milliarden Euro.
Die Baloise-Aktien drehten nach anfänglichen Einbussen ins Plus und notierten gegen Mittag 0,4 Prozent höher bei 93,50 Schweizer Franken, während der europäische Sektorindex 0,3 Prozent tiefer tendierte.

